Hightech für Demenztherapie

Compamed Innovationsforum 2020 zeigt Lösungen

13. August 2020, 11:16 Uhr   |  Messe Düsseldorf

Compamed Innovationsforum 2020 zeigt Lösungen
© Messe Düsseldorf

Das Compamed Innovationsforum gibt jedes Jahr einen Vorgeschmack auf die Themen-Highlights im November.

Compamed Innovationsforum 2020 widmete sich der Hightech-Unterstützung für Demenzpatienten

Nach jüngsten epidemiologischen Schätzungen leben allein in Deutschland 1,6 Millionen Menschen mit Demenz – eine erworbene Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit, die Gedächtnis, Sprache, Orientierung und Urteilsvermögen einschränkt und so schwerwiegend ist, dass die Betroffenen nicht mehr zu einer selbstständigen Lebensführung in der Lage sind.

Die meisten sind an Alzheimer erkrankt. Durchschnittlich treten Tag für Tag rund 900 Neuerkrankungen auf, die sich im Laufe eines Jahres auf über 300.000 summieren. Aufgrund der demografischen Entwicklung nimmt die Zahl der Demenzpatienten kontinuierlich zu. Sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, dürfte die Zahl der Kranken in der Bundesrepublik bis 2050 auf etwa 2,8 Millionen Betroffene anwachsen. Nach Angaben von Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Alzheimer’s Disease International sind weltweit 50 Millionen Menschen dement – auch global mit zunehmender Tendenz.

KI-Hilfestellung für Demente

Vor diesem Hintergrund griff das Compamed Innovationsforum 2020 unter der Headline »Hightech-Unterstützung für Demenzpatienten« eine Thematik von enormer Tragweite auf. Das traditionell von der Messe Düsseldorf und dem IVAM Fachverband für Mikrotechnik gemeinsam organisierte Forum wurde im Juli auf Grund der Corona-Pandemie erstmals als dreiteilige digitale Veranstaltungsreihe durchgeführt.

Hinsichtlich vieler Aspekte bei der Demenzerkrankungen könnte Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz kommen. Das beginnt bereits bei der Gemütserkennung, die schwierig ist, weil Demenzpatienten häufig unter kognitiven Einschränkungen leiden und deshalb über sich selbst kaum oder gar keine Auskunft geben können. »Wir sehen ein großes Potenzial für KI in diesem Bereich, zumal immer bessere Algorithmen und bessere Methoden zur Verfügung stehen», erklärt Prof. Till Bärnighausen, Leiter des Heidelberger Instituts für Global Health am Universitätsklinikum Heidelberg.

So verfolgt die Isansys Lifecare Europe in dem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Netzwerk KMU4DEMENTIA das Ziel, Vitalparameter für die Gemütserkennung zu nutzen und mit geeigneten Algorithmen eine Früherkennung von Gemütszuständen zu gewährleisten. »Wir arbeiten also an der Entwicklung eines `Early Warning Scores´ für die zielgruppenspezifische Gemütsbewertung«, sagt Michael Heinlein, Geschäftsführer der Isansys. Aus der Bewertung ließe sich auch eine Beeinflussung des Gemütszustandes ableiten, die grundsätzlich visuell (Helligkeit und Ausleuchtung, Lichttemperatur, Bilder), auditiv (Stimmen, Musik, vertraute Geräusche) und haptisch bzw. taktil (Personal, Roboter, Aktoren) erfolgen könnte. Im Ergebnis könnten so Medikamente gezielter eingesetzt oder verringert, das Wohlbefinden und die Sicherheit für Pfleger und Ärzte verbessert sowie das Patientenbefinden objektiver eingeschätzt werden. 

Hightech im Mini-Format gegen Dehydration

Mit fortschreitendem Alter nimmt die Neigung zur Flüssigkeitsaufnahme grundsätzlich ab, bei Demenz wird zudem das Trinken einfach vergessen – im Ergebnis wird zu wenig oder zu viel getrunken. Das kann gefährlich werden.

Alle Verfahren bisher zur Vermeidung der Dehydratation wie etwa die Kontrolle der Hautelastizität, der Rissbildung auf der Zunge oder der Trockenheit von Schleimhäuten sind manuell, subjektiv und wenig verlässlich. Intelligentere Systeme konzentrieren sich oftmals nur auf die Flüssigkeitsaufnahme, die etwa durch „smarte Becher“ registriert wird. »Wir verfolgen dagegen einen Ansatz, der den Becher mit Sensoren am Gefäß und einen `Smart Patch´ am Patienten kombiniert, der über die Flüssigkeitsmenge im Gewebe den Dehydrationszustand erkennt. Zudem sorgen wir für die gesamte Digitalisierung inklusive der notwendigen Verknüpfung«, erklärt Matthias Schuh, Mitbegründer und Geschäftsführer von Essentim. Das Start-up ist eines von sechs Partnern, die sich im  Netzwerk KMU4DEMENTIA um das Projekt »Monitoring der Flüssigaufnahme von Patienten mit Demenz« kümmern.

Mit intelligenten Fußleisten und Bettkannten Stürze verhindern

Insbesondere die eigenen vier Wände hat auch NevisQ, eine Ausgründung der RWTH Aachen, im Fokus. Dazu hat das Unternehmen ein Sensorband entwickelt, das so aussieht wie ein LED-Streifen und das etwa in Höhe der Fußleiste angebracht wird. »Man kann sich das vorstellen wie Tausende von Lichtschranken, die den Raum abdecken und unterbrochen werden«, erklärt Christian Kind, Mitbegründer und –geschäftsführer von NevisQ. Mithilfe von Software lassen sich Bewegung und verschiedene Aktivitäten erkennen, zum Beispiel wo jemand im Raum steht oder auch stürzt.

Zum System gehört eine unauffällige kleine Basisstation, die an der Wand befestigt wird. Neben der Sturzerkennung leistet das System auch eine Sturzprävention, indem es die Situationen vor und nach dem Sturz auswertet, um Ursachen dafür zu ermitteln und künftig zu verhindern. Weitere Funktionen sind Nachtlicht und –alarm sowie eine Aktivitätsanalyse, die Aufschluss darüber gibt, was im Raum über längere Zeit passiert. Inzwischen steht das Sensorband auch für die Bettkante zur Verfügung, die das Pflegepersonal diskret informiert, sobald ein Bewohner sein Bett verlässt. »In Zukunft wollen wir eine effizientere Pflegeplanung durch unsere Aktivitätsanalysen erreichen und Krankheiten bzw. Risikoindikatoren frühzeitig erkennen helfen«, so Kind.

Smarte Kugel gegen das Vergessen

Eine andere Art der Unterstützung hat das Start-up Ichó entwickelt. Der gleichnamige Ball (Therapiekugel) soll unterstützt das, was dementen und kognitiv eingeschränkten Personen zunehmend schwer fällt: Zugang zu finden zu ihrem Gegenüber und zu den noch vorhandenen Fähigkeiten – und zwar auf spielerische Art. Denn regelmäßige Spiele, so die Erkenntnis aus den Sitzungen mit Experten und erkrankten Menschen, sollen nicht nur die kognitiven und motorischen Fähigkeiten der Nutzer fördern, sondern auch dabei helfen, dass Fähigkeiten nicht so schnell versiegen. 

Compamed 2020 findet statt

Bisher halten die Veranstalter am Termin im November (16. – 19. November, Messegelände Düsseldorf) fest. Das vorgelegte Hygienekonzept sieht unter anderem angepasste Personenzahlen und Flächen, Abstandsmarkierungen, einen erhöhten Personaleinsatz, transparente Trennwände, Hinweisschilder, Informationstafeln und Wegeführung vor. Das vollständige Hygiene- und Infektionsschutzkonzept der Messe Düsseldorf können Sie hier abrufen. (me)     

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