Hohe Qualität

Telemedizin in der Kinderchirurgie

12. Dezember 2018, 13:00 Uhr | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Diagnose Keimschleuder: Rund 100 verschiedene Bakterienarten tummeln sich durchschnittlich auf einem Smartphone.
Telemedizin (Symbolbil)
© Pixabay

Digitale Medizin bietet eine sichere, kostengünstige und zeitsparende Alternative in der Nachsorge kinderchirurgisch behandelter Kinder. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie Johannes Gutenberg-Universität Mainz – und zwar für das gesamte kinderchirurgische Behandlungsspektrum.

Die Telemedizin gewinnt zunehmend an Bedeutung. Das zeigt auch der Haushalt 2019 des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), der am 22.11.2018 im Deutschen Bundestag abschließend beraten wurde: Er enthält unter anderem acht Millionen Euro, die im kommenden Jahr für »Modellprojekte zur telemedizinischen integrierten Versorgung und Förderung von Testregionen« bereit stehen. Nochmals 15 Millionen Euro sind für die Jahre 2020 bis 2022 eingeplant. Zusätzliche Unterstützung erfährt die Telemedizin durch eine Lockerung des sogenannten Fernbehandlungsverbots, für die der Deutsche Ärztetag Mitte Mai gestimmt hat. Sofern beziehungsweise sobald die Landesärztekammern die neue Regelung in ihre Berufsordnungen übernehmen, besitzt sie eine rechtlich bindende Wirkung. Dann dürfen Ärzte Patienten, auch ohne ein vorheriges direktes persönliches Zusammentreffen, ausschließlich telemedizinisch via Videochats, Telefonate, SMS oder mithilfe von Apps behandeln.

Für den Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie der Universitätsmedizin Mainz Univ.-Prof. Dr. Oliver Muensterer ist dies auch ein Beleg für die Wichtigkeit der Forschungen seines Teams zur Telemedizin. Für ihre randomisierte Studie arbeiteten die Wissenschaftler mit zwei gleichgroßen Gruppen von Patienten, die vorher in der Kinderchirurgie zur Behandlung waren. Eine Gruppe wurde telemedizinisch betreut: Um Zwischengeschichten und physikalische Befunde für die Nachsorge zu erhalten, kam die Videotelefonie mit digitaler Verbindung zwischen dem Zuhause des Patienten und dem behandelnden Arzt in der Klinik zum Einsatz. Die Vergleichsgruppe war für die Nachsorge vor Ort in der Ambulanz der Kinderchirurgie der Universitätsmedizin Mainz physisch anwesend.

Im Rahmen der aktuell publizierten Studie konnten Dr. Jan Gödeke, Oberarzt an der Klinik für Kinderchirurgie der Universitätsmedizin Mainz, und sein Team erstmals zeigen, dass eine via Online-Video-Kommunikation durchgeführte Nachsorge kinderchirurgisch behandelter Kinder medizinisch sicher ist. Die Qualität der Datenübertragung sei so gut gewesen, dass eine klinische Interpretierbarkeit sehr gut möglich war und sich alle wichtigen klinischen Befunde für eine umfassende Nachsorge diagnostizieren ließen. Wie die forschenden Ärzte feststellten, erwies sich diese Art von neuer medizinischer Versorgungsform den etablierten Versorgungsformen des deutschen Gesundheitssystems vielfach als nicht unterlegen. Ein Grund dafür ist unter anderem, dass auch in der Videokommunikation ein direkter Augenkontakt zwischen Arzt und Patient möglich ist.

Die technischen Voraussetzungen wie ein Smartphone oder ein mit einer Kamera ausgestatteter Computer sind in den meisten Haushalten gegeben, ebenso eine ausreichende Internetverbindung. Beste Voraussetzungen also, um die Vorteile der Telemedizin zu nutzen. Der besondere Vorteil für alle Beteiligten: Telemedizin ist zeit- und ressourcensparend sowie ortsunabhängig. Auch große Distanzen lassen sich ohne Anreise und Wartezeit schnell und einfach zu überwinden. Bei wesentlich geringerem Zeitaufwand für die Nachsorge, minimieren sich bei den Patienten und ihren Eltern organisatorische und finanzielle Aspekte wie beispielsweise Reisekosten, Freistellung von der Arbeit/Schule oder auch Verdienstausfall. Wie die Studie zeigte, bewertete die telemedizinisch betreute Gruppe die Qualität der Nachsorge deutlich höher als die in der Klinik präsente und dort versorgte Vergleichsgruppe.

Die gewonnenen Erkenntnisse wollen Muensterer und sein Team zukünftig auch für weitere Studien nutzen, beispielsweise für das Krankheitsbild der Ösophagusatresie (Speiseröhrenfehlbildung). Im Rahmen dieser speziellen Studie sollen deutschlandweit Kinder, die von dieser seltenen Erkrankung betroffen sind, bereits vor der Geburt und dann in den ersten Lebensjahren telemedizinisch durch ein Team aus deutschen und internationalen Experten sowie lokal versorgenden Ärzten begleitet und beraten werden. (me)


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