Gegen Angst­stö­rungen

TK startet erste digtiale Psychotherapie

30. Januar 2020, 11:30 Uhr   |  Techniker Krankenkasse

TK startet erste digtiale Psychotherapie
© Sympatient

Invirto bietet acht Stunden therapeutisches Schulungsmaterial und fast vier Stunden VR-Bildmaterial

News | Die Techniker Krankenkasse (TK) bietet ab sofort eine digitale Therapie zur Behandlung von Angststörungen in den eigenen vier Wänden an. Die von der Hamburger Firma Sympatient entwickelte Therapie »Invirto« ermöglicht mit VR-Brille und einer App eine leitliniengerechte Fernbehandlung.

Dabei können die Teilnehmer innerhalb von vier Wochen eine App-gestützte Therapie mit zahlreichen Schulungsvideos und digital angeleiteten Übungen absolvieren. Kernstück von Invirto ist die Konfrontation nach therapeutischen Prinzipien mit Angst auslösenden Situationen wie Aufzug- und U-Bahnfahrten oder Menschenansammlungen. Studien zufolge leiden zehn Millionen Menschen in Deutschland im Verlauf eines Jahres an einer Angststörung. Sie ist damit eine der häufigsten psychischen Erkrankungen.

Patient entscheidet über Therapieverlauf

Bevor die Therapie mit der VR-Brille beginnen kann, untersucht das Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZiP) des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) alle Teilnehmer im Rahmen einer umfassenden psychotherapeutischen Diagnostik. Danach bekommen die Teilnehmer die VR-Brille und einen App-Zugang nach Hause geschickt.

TK-Vorstandsvorsitzender Dr. Jens Baas: »Anders als bei einer klassischen Psychotherapie mit einem in der Regel einstündigen Besuch beim Psychotherapeuten pro Woche kann bei dem neuen Angebot jeder Patient selbst entscheiden, wann, wo und wie oft er die verschiedenen Schulungsmodule und Übungen absolviert.« Während der Therapie werde der Patient von einem Psychotherapeuten des UKSH per Telefon und Video begleitet. Gerade in Regionen mit wenigen spezialisierten Therapeuten und langen Anfahrtswegen ist das eine sehr attraktive Therapieoption.

App erfasst psychische Verfassung

Im Behandlungsverlauf erfasst die App regelmäßig die psychische Situation der Teilnehmer anhand eines Fragenkatalogs. Julian Angern, einer der drei Gründer und psychologischer Leiter von Sympatient: »Wenn die Teilnehmer eine Verschlechterung ihres psychischen Zustands erfahren, haben sie direkten Zugang zu Notfallnummern und können sofort hilfreiche Übungen wiederholen.«

In Krisenfällen nehmen spezialisierte Mitarbeiter der Klinik mit den Teilnehmern direkt Kontakt auf. »Außerdem haben wir bei der Entwicklung von Invirto einen starken Fokus auf den Schutz der Patientendaten gelegt. Auch deshalb haben wir unsere Software von einer externen Stelle hinsichtlich der Sicherheit prüfen lassen.«

Das vor zwei Jahren aus einer wissenschaftlichen Studie am UKSH heraus gegründete Unternehmen Sympatient hat für Invirto acht Stunden therapeutisches Schulungsmaterial und fast vier Stunden VR-Bildmaterial für sieben verschiedene Angstszenarien erstellt. Angern: »Damit bilden wir die häufigsten Angst auslösenden Situationen ab.« Das neunköpfige Team wird finanziell von der Hansestadt Hamburg gefördert und wurde im September mit dem Hamburger Gründerpreis ausgezeichnet. (me)

Schlagworte:Psychotherapie, App, VR-Brille, Start-up Hamburg

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