Internet of Medical Things (IoMT)

Ungenutztes Potential

28. August 2018, 15:00 Uhr | Deloitte
Bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen geht es längst nicht mehr nur um die elektronische Patientenakte.
Das IoMT lohnt sich, wenn man es denn auch nutzt.
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Die Vernetzung der Medizintechnik bietet große Potenziale im Hinblick auf Kosten, Versorgung und Personaleinsatz. Das Internet of Medical Things findet laut aktueller Deloitte-Studie allerdings noch nicht genügend Akzeptanz und Vertrauen im traditionell sensiblen Gesundheitsbereich

Das Internet of Medical Things (IoMT), welches als verbundenes Netzwerk medizinischer Geräte und Systeme Daten sammelt, ordnet und übermittelt, könnte das Gesundheitswesen zumindest in Teilen revolutionieren. Zwei Gründe sprechen für seinen Einsatz: Effizienz durch Automatisierung von Schlüsselprozessen sowie eine weiter verbesserte Diagnostik und patientenzentrierte Behandlung. Doch wie weit wird netzwerkbasierte Technologie in der Gesundheitsbranche bereits angewendet und wie können Hersteller vernetzter Medizingeräte dieses Potential besser ausschöpfen? Im Rahmen einer Studie im gesamten europäischen Raum hat Deloitte insgesamt 237 Entscheider aus der MedTech-Branche befragt. Das Ergebnis: Viele der Beteiligten sehen sich noch nicht optimal aufgestellt.

Im vergangenen Jahr betrug der Gesamtwert des IoMT-Markts in Europa zwar bereits rund 12 Milliarden US-Dollar – 2020 werden es sogar 44 Milliarden sein – doch die Branche der Hersteller muss sich weiter aktiv verändern und öffnen, um das volle Potential ausschöpfen zu können. Hierbei spielen drei zentrale Herausforderungen bislang die größte Rolle.

Talente gewinnen

Die erste Herausforderung ist die Suche nach den dringend benötigten Talenten, also Datenanalyse-Spezialisten, KI-Entwicklern, Bio-Sciences-Experten und ähnlichen Berufsprofilen. Hierzu bedarf es auch neuer Kooperationsmodelle mit Universitäten, anderen Unternehmen sowie Organisationen des Gesundheitswesens. Der Bedarf ist groß – aber auch der Handlungsbedarf: Ganze 71 Prozent der Befragten sind der Überzeugung, dass die zurzeit in dieser Hinsicht vorhandenen Ressourcen und Kapazitäten bei weitem nicht ausreichen.

Stakeholder verstehen

Eine weitere Hürde besteht laut Studie in der Fähigkeit, der MedTech-Branche, ein tieferes und fundiertes Verständnis der Bedürfnisse und Mechanismen der Stakeholder zu entwickeln, also von Ärzten, Patienten und Vertretern der Kassen. Nur dann kann es gelingen, die Potenziale und Vorteile einer umfassenden Vernetzung sowie einer weitgehenden Automatisierung für jede einzelne Zielgruppe deutlich zu machen. Dazu bedarf es nicht immer eines radikalen Fortschritts: Auch eine entsprechende Erweiterung der Funktionalitäten bestehender Produkte und Services kann manifesten Mehrwert liefern.

Vorteile kommunizieren

Die dritte Herausforderung liegt ebenfalls in der Kommunikation: Es gilt, die vielfältigen Vorteile eines IoMT-basierten Gesundheitssystems so überzeugend darzustellen, dass sich die Protagonisten des Gesundheitssystems auf den Wandel einlassen – der auch ihnen einiges abverlangen wird. In der MedTech-Branche haben bereits 51 Prozent neue Geschäftsmodelle implementiert. Die Aussicht, vergleichbare Kraftakte vollziehen zu müssen, kann durchaus abschreckend wirken. Umso wichtiger ist es, nicht nur Kompetenz zu signalisieren, sondern vor allem auch Vertrauen zu generieren.

Die komplette Studie finden Sie hier zum Download (in Englisch).