Endoskopie

Vom Lichtleiter zum Pillenendoskop

03. Dezember 2019, 14:30 Uhr   |  medical design

Vom Lichtleiter zum Pillenendoskop
© Fraunhofer IZM | Volker Mai

Endoskopie-Kapsel zur Dünndarm-Diagnose - entwickelt in dem Projekt Endotrace.

Definition und Anwendung in Diagnostik und Therapie

Aktualisiert: 15. September 2020, 9:47Uhr

Defintion, Ablauf und Einteilung

Endoskopie heißt wörtlich »in das Innere sehen« oder auch »Hieneinsehen«. In der Medizin versteht man darunter die Untersuchung von im Körperinnern liegenden Organen mithilfe eines Endoskops.

Bei einer Endoskopie wird eine Körperhöhle (zum Beispiel Bauchraum, Kniegelenk) oder ein Hohlorgan (zum Beispiel Darm, Lunge) mithilfe eines Endoskops von innen untersucht. Das Endoskop besteht aus einem flexiblen Gummischlauch oder einem Metallrohr mit einer Lichtquelle, Linsen und einer Kamera. Während der Endoskopie können auch kleine Eingriffe vorgenommen und Gewebeproben (Biopsien) entnommen werden. Erfahren Sie mehr über die Möglichkeiten einer Endoskopie.

Diagnostische und therapeutische Endoskopie

Die diagnostische Endoskopie dient der Gewinnung von Stand- oder Bewegtbildern sowie Flüssigkeits- und Gewebsproben (Biopsien) aus dem Körperinneren mit dem Ziel der Diagnosefindung.

Die therapeutische Endoskopie oder auch »operative Endoskopie« beziehungsweise »interventionelle Endoskopie« bezeichnet ist die Methode der minimal-invasiven Chirurgie. Sie führt Eingriffe sehr unterschiedlichen Ausmaßes im Körperinneren bei Schonung der Körperhülle durch.

Geschichte und aktuelle Trends

Als das frühste Endoskop gilt gilt der »Lichtleiter« des frankfurter Stadtarzt Philipp Bozzini (1773 – 1809). Das Gerät bestand aus einem vasenartigen Gefäß, in dem sich eine Kerze befand. Ein Spiegel leitete das Licht in den Körper. Über eine weitere Röhre konnte der Arzt schließlich in den Körper hieneinsehen. 

Aufbauend auf dieser Grudnlage entwickelte der französische Chirurg Antonin Jean Desormeaux (1815 – 1894) im Jahr 1853 ein Instruement, das er »endoscope« nannte. Es kam erstmals bei einer Blasenunteruschung zum Einsatz. Die nächsten Meilensteine waren die Entwicklung des ersten flexiblen Endoskops (1898), die Begründung der Videoendoskopie (1956) und die Erfindung des Glasfaserendoskops (1957).

Minitaturisierung ermöglicht vollen Durchblick

Trotz Fortschritte bei der Bildqualität blieben die Möglichkeiten der Endoskopie lange beschränkt. Insbesondere die Untersuchung des Dünndarms war kaum möglich, da sein Druchmesser für die meisten Endoskope schlicht zu klein war. Nicht einmal mit Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen konnte dieser Teil des Verdauungstrakts zufriedenstellend abgebildet werden.

1998 gelang es dem Ingewnieur Gavriel Iddan, eine Kamera, LEDs, Batterien und einen Sender in einer Kapsel unterzubringen, die nicht größer war als eine Vitaminpille. Dank ihrer Außenhaut konnte diese Kapsel unversehrt durch den Verdauungstrakt wandern, angetrieben von der natürlichen Muskelbewegung des Darms. Zur Vermarktung seiner Erfindung gründete Iddan mit mehreren Partnern in Israel das Unternehmen Given Imaging und stellte 1998 einen ersten Prototyp seine »PillCam« auf dem 11. Weltkongress für Gastroenterologie in Wien vor. Heute ist die kabellose Kapselendoskopie weltweit Standard bei der Dünndarmuntersuchung und kommt zunehmend auch in anderen Körperregionen zum Einsatz, zum Beispiel bei der Magenspiegelung sowie bei der Untersuchung von Herzkranzgefäßen. Für den Patienten heißt diese »neue« Form der Endoskopie: keine Sedierung. Ein weiterer Vorteil ist, dass er seinem gewohnten Tagesablauf nachgehen kann. 

Quellen

[1] DocCheck Flexikon: Endoskopie (Stand: 15. September 2020)

[2] A. Sigelen: Vom Aderlass zum Nanoskop (L&H Verlag)

[3] EPO: Erfinder revolutioniert medizinische Diagnostik (Stand: 15. September 2020)

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