Beatmungsgeräte

»Auch die Homecare-Provider sind systemrelevant«

3. April 2020, 9:00 Uhr | Katrin Pucknat
Katrin Pucknat: »Ohne entsprechende Einbindung in Notfallplanung steht häusliche Versorgung vor dem Aus.«
Katrin Pucknat: »Ohne entsprechende Einbindung in Notfallplanung steht häusliche Versorgung vor dem Aus.«
© ResMed

Gastkommentar von Katrin Pucknat, Präsidentin ResMed Germany

Außerklinisch beatmete Patientinnen und Patienten zählen zu der SARS-CoV-2 Risikogruppe mit besonderer Gefährdung. Während in Deutschland aktuell Sanitätshäuser oder Apotheken beispielsweise als systemrelevant ihren Betrieb aufrechterhalten müssen, wird die für tausende von Patienten essenzielle Stellung der außerklinischen Intensivversorgung, der Beatmungstechnik und des Bereichs Homecare in der Notstandsplanung rund um die COVID-19-Pandemie nicht berücksichtigt. Eine Tatsache, die für Tausende von Patienten lebensgefährlich ist.

450.000 Patienten akut bedroht

Wie auch der Inudstrieverband Spectaris jüngst feststellte, sind insgesamt etwa 450.000 Menschen mit schweren Atemwegserkrankungen – davon ca. 85.000, die auf permanente Beatmung angewiesen sind – durch den Coronavirus COVID-19 im Moment besonders gefährdet. Die Patienten gehören zu verschiedensten Altersgruppen, vom Kleinkind zu älteren Patienten. In der Zeit vor Corona wurden sie gut und sicher außerklinisch versorgt.

Diese lebenserhaltende Versorgung inklusive der damit verbundenen Pflege und der zugehörigen Hilfsmittelausstattung wird außerhalb des regulären Klinikbetriebs von Fachanbietern, sogenannten Homecare Providern, in Zusammenarbeit mit dem Pflegepersonal gewährleistet. Sie entlasten und unterstützen in der ambulanten Pflege damit das Gesundheitssystem erheblich. Zudem bieten sie durch die selbstständig mit den Pflegefachleuten vorgenommene Abstimmung eine größtmögliche Versorgungssicherheit für Patienten in der jeweils häuslichen Umgebung.

Häusliche Versorgung vor dem Aus

Aktuell stehen die Homecare-Provider vor der Herausforderung, nicht in die Notfallplanung der Behörden mit einbezogen worden zu sein. Dadurch entsteht bei vielen ein Versorgungsengpass mit Schutzanzügen und –masken und es brechen Personalressourcen weg, da nicht in allen Bundesländern auf die Kindernotbetreuung zurückgegriffen werden kann.

Die Folge ist eine Unterversorgung der Homecare-Patienten und deren Einlieferung in die aktuell bereits extrem belasteten Kliniken. Der Kampf um Intensivbetten wird damit unnötig verschärft. Bei entsprechend sichergestellter Versorgung durch die Homecare-Anbieter wäre diese zusätzliche Belastung der Kliniken in vielen Fällen vermeidbar. Deshalb sind die Homecare Provider in der außerklinischen Intensivpflege mit allen Mitteln zu unterstützen. Ihnen muss zum Wohle der betroffenen Patientengruppen die gleiche Relevanz zugesprochen werden wie anderen kritischen Teilnehmern der medizinischen Versorgungskette

Die Autorin

Katrin Pucknat ist seit November 2018 Präsidentin von ResMed in Deutschland und leitet die Dachorganisation ResMed Germany Inc., deren Tochtergesellschaften ResMed Healthcare (ResMed GmbH & Co. KG und ResMed Medizintechnik GmbH) und das Fachhandelsgeschäft der ResMed Deutschland GmbH sind. Zuvor war sie seit Juli 2016 CEO von ResMed Healthcare Deutschland, und seit 2017 ist sie Mitglied des globalen Managementteams von ResMed.


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