Medizintechnik auf der Wiesn

Aus dem Bierzelt direkt ins CT

19. September 2022, 15:53 Uhr | Ute Häußler
Medizintechnik Wiesn
Auf der Wiesn 2022 steht erstmals ein CT-Scanner von Siemens Healthineers.
© LMU Klinikum München

Bloß eine Platzwunde oder doch eine gefährliche Hirnblutung? Auf dem Oktoberfest 2022 stehen zum ersten Mal ein CT-Scanner sowie Remote-Notfalltechnik in der Wiesn-Ambulanz bereit.

O'scannt is! Das Oktoberfest in München ist eröffnet und wartet dieses Jahr mit einem besonderen Besucherservice auf: Die Wiesn-Sanitätstation wird 2022 rund um die Uhr betrieben und hält für die Untersuchung von Kopfverletzungen einen CT-Scanner von Siemens Healthineers bereit.

Das Hightech-Medizingerät (Modell Somatom GoTop) ist laut Siemens Healthineers besonders robust und gedacht für die schnelle Klärung klinischer Fragen. Das mobile CT-Gerät steht im Container der Aicher Ambulanz und wird von Mitarbeitern des LMU Klinikums München betrieben. Es soll vor allem die stark belasteten Notaufnahmen entlasten, die in Wiesn-Zeiten bis zu 30% mehr Besucher verzeichnen. Vorrangiges Ziel ist es, bei Besuchern mit Schädelverletzungen eine lebensbedrohliche Hirnblutung vor Ort auszuschließen oder eine geeignete Folgebehandlung direkt anzustoßen. Außerdem sind Wirbelsäulen-Scans, etwa nach schweren Bierbank-Stürzen, möglich.

Der CT-SCanner wurde zwei Tage vor dem Wiesn-Start von Oberbürgermeister Dieter Reiter, dem Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärnter, Prof. Jens Ricke (LMU Klinikum Radiologie) und der Ärztlichen Leiterin des Rettungsdienstes München Prof. Viktoria Bogner-Flatz eingeweiht. Der Münchner OB »wünsche den Besuch beim CT niemanden«, ist aber sichtlich stolz auf die mobile Computertomografie, die innerhalb von nur acht Tagen auf der Theresienwiese installiert wurde. »Das ist eigentlich eine wahre Sensation für ein Volksfest,« so Reiter.

Kritik an der Priorisierung von Betrunkenen

In den sozialen Medien gab es viel Zustimmung für das PR-trächtige Projekt der Stadt München, doch auch sehr kritische Stimmen. »Wiesnwörtlich zum Speibm« nannte ein LinkedIn-Nutzer die Initiative, »wenn medizinische Einrichtungen für besoffene Primaten wichtiger werden als bspw. für Krankenhäuser«. Andere Nutzer der Business-Plattform monierten, dass Patienten mit ebenfalls gefährlichen Krankheiten außerhalb des Oktoberfestgeländes bis zu drei Monate auf ein CT warten müssen oder dass das Geld besser in ein ausgefeiltes Corona-Testkonzept gesteckt hätte werden sollen, um eine Überlastung der Kliniken im Nachklang der Wiesn durch COVID-19-Infizierte zu vermeiden.

Die Wiesn-Ambulanz mit Notfall-Brille

Bereits am ersten Wiesn-Tag wurde das CT-Gerät laut der Münchner Abendzeitung für 17 Kopfuntersuchungen genutzt. Der erste Patient sei aber kein Betrunkener gewesen, sondern ein französischer Besucher, der ohne Alkoholeinfluss am Wiesn-Eingang gestolpert war und sich den Kopf auf dem Asphalt angeschlagen hatte - eine Hirnblutung konnte ausgeschlossen werden, der Patient wurde nach der Versorgung seiner Platzwunde entlassen.

Insgesamt sind rund 450 Mitarbeiter in der Ambulanz auf der Theresienwiese im Einsatz. Neu in diesem Jahr ist auch, dass Ambulanz-Patienten, welche nicht entlassen werden können, bis zum nächsten Tag auf dem Festgelände versorgt werden. Auch dieser Schritt soll die Münchner Krankenhäuser entlasten. Desweiteren kommt heuer zum ersten Mal das Remote-Kamerasystem IRIS (Instant Remote Interactive Support) zum Einsatz. Via Kamerabrille schicken die Tragestaffeln Live-Bilder zu einem Notfallarzt, der direkt erste Anweisungen zur Behandlung geben kann.

 


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