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Corona-Warn-App zum Download bereit

16. Juni 2020, 08:37 Uhr   |  dpa

Corona-Warn-App zum Download bereit
© Oliver Berg/dpa

Offizielle Corona-Warn-App steht zum Download bereit.

Neue Version der Corona-Warn-App soll Probleme beheben

Aktualisiert: 29. Juli 2020, 8:35 Uhr

Nach technischen Problemen auf verschiedenen Smartphones hat die vielgenutzte deutsche Corona-Warn-App ein Update bekommen. Mit der neuesten Version sollen technische Schwierigkeiten auf dem iPhone von Apple beseitigt werden, wie der Softwarekonzern SAP und die Deutsche Telekom mitteilten. 

Auf dem Apple-Betriebssystem iOS hatte die App zwar wie versprochen ständig anonyme Codes mit anderen Nutzern ausgetauscht - die Warnung vor gefährlichen Begegnungen erfolgte allerdings nicht im Hintergrund, sondern nur, wenn die App aktiv geöffnet war. Ähnliche Probleme tauchten bei bestimmten Android-Smartphones auf. Ursache war ein Energiesparmodus, der bei einigen Geräten die Aktualisierung eingeschränkt oder sogar deaktiviert haben könnte.

Das Entwicklerteam habe jetzt einen Weg gefunden, die Einschränkungen auf denjenigen Mobiltelefonen zu umgehen, die den automatischen Datenabgleich im Hintergrund blockiert hatten - sowohl für Android-Geräte als auch für iOS-Geräte.

Ärzte unterstützen die neue App

Nach wochenlangen Vorbereitungen ging die offizielle deutsche Warn-App für den Kampf gegen das Coronavirus Mitte Juni an den Start.  Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sagte der Deutschen Presse-Agentur: »Das ist ein sehr sinnvolles Instrument.« Die App sorge auf einfache Weise dafür, Infektionsketten zu erkennen. »Sie ermöglicht aber auch, persönliche Vorsorge zu treffen - indem man sich bei einer entsprechenden Warn-Meldung testen lassen kann.« Die App wirke natürlich nur dann, wenn man möglichst viele Menschen fürs Mitmachen gewinne. Sie würde noch besser wirken, wenn man das System grenzüberschreitend in Europa gangbar machen könnte.

Die App misst, ob sich Handynutzer über eine längere Zeit näher als etwa zwei Meter gekommen sind. Ist ein Nutzer positiv getestet worden und hat dies in der App geteilt, meldet sie anderen Anwendern, dass sie in der Nähe eines Infizierten waren. Kontaktdaten werden nicht - wie zunächst vorgesehen - zentral gespeichert, sondern nur auf den Smartphones. Die Entwicklungskosten betragen rund 20 Millionen Euro.

Nutzer konnten die App bereits in der Nacht zum 16. Juni 2020 auf ihr Smartphone herunterladen. Im App-Store von Google war sie bereits um kurz nach 2 Uhr morgens verfügbar, bei Apple dauerte es etwas länger. Nutzer klagten in sozialen Medien über Verzögerungen bei der Verfügbarkeit der App sowie über Probleme beim Herunterladen. In weniger als einer Stunde schienen die Startschwierigkeiten dann überwunden.

Digitalisierung im Kampf gegen Corona

Der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, nannte die App einen sinnvollen Baustein im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus. »Es ist absolut sinnvoll, die Chancen der Digitalisierung für den Kampf gegen Corona zu nutzen«, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die App könne aber auch keine Wunder vollbringen, und sie ersetze natürlich weder Abstands- noch Hygieneregeln. Eine längere Entwicklungszeit sei auch allemal besser als schlecht funktionierende Schnellschüsse, wie Erfahrungen aus anderen Ländern zeigten. Baas äußerte sich zugleich kritisch zur Rolle von Apple und Google. »Das Gesundheitswesen darf nicht in eine Abhängigkeitsfalle der großen US-Konzerne geraten - gerade, wenn es um den Umgang mit und die Nutzung von Daten geht.«

Kanzleramtsminister Helge Braun beschwor die Sicherheit des Programms. »Diese App ist so sicher, wie sie nur sein kann«, so der CDU-Politiker. Der Quellcode sei offengelegt worden, ein höheres Maß an Transparenz könne man »kaum leisten«. Braun bekräftigte das Versprechen der Bundesregierung, dass die Nutzung der App freiwillig bleibt. »Ein Gesetz, das die Deutschen zum Download der Corona-App zwingt, schließe ich ausdrücklich aus. Wir werden beim freiwilligen Modell bleiben.«

Was soll die App leisten?

Die App schützt die Anwender nicht davor, selbst mit dem Virus infiziert zu werden. Sie soll aber Infektionskette frühzeitig erkennen und unterbrechen. Das Coronavirus ist nämlich schon ansteckend, bevor Krankheitssymptome sichtbar sind. Die App hat die Aufgabe, Personen frühzeitig zu warnen, die mit Infizierten in Kontakt standen. Die App soll außerdem dazu beitragen, dass Betroffene schneller ihr Testergebnis erhalten.

Was passiert, wenn ein Anwender positiv getestet wurde? In diesem Fall trägt man diesen Status selbst in die App ein. Das Meldesystem will dabei verhindern, dass versehentlich oder absichtlich eine falsche Infektionsmeldung in das System gelangt. Um einen Missbrauch oder Irrtum zu verhindern, muss dieser Status offiziell bestätigt werden. Das geschieht zum einen über einen QR-Code, den man vom Testlabor erhält. Alternativ kann man auch eine TAN eingeben, die man von einer Telefon-Hotline bekommt, da nicht alle Labore in der Lage sind, QR-Codes zu generieren. Im Infektionsfall erhalten die betroffenen Kontakte einen Hinweis, dass sie sich testen lassen sollen.

Technische Schwachstellen sind immer möglich

Bei einem technischen Audit durch Tüv-IT wurden zwar zwischenzeitlich etliche Lücken gefunden, die aber vor Veröffentlichung der App alle geschlossen werden konnten. Nach Einschätzung des Chaos Computer Clubs können Schwachstellen aber nie ganz ausgeschlossen werden. »Entscheidend ist, wie gut sie skalieren und wie groß das Schadenpotenzial für die Nutzerinnen ist«, sagt Club-Sprecher Linus Neumann. Dank Dezentralität und Datensparsamkeit sei das Risiko für die Daten der Nutzer und Nutzerinnen minimiert - selbst wenn jetzt noch Schwachstellen gefunden würden. »Im zentralisierten Ansatz würde jede potenzielle Schwachstelle schwerer wiegen.«

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(me)

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