Ab September Pflicht für Apotheken

Der Zeitplan zum E-Rezept

1. Juni 2022, 13:34 Uhr | dpa
E-Rezept Medizintechnik Krankenkassen Deutschland Digitale Gesundheit
© dpa Bildfunk

Ab dem 1. September müssen Apotheken Digitalverschreibungen annehmen.

Für Ärzte gilt diese Pflicht vorerst aber nicht - hier ist ein regionales Stufenmodell geplant. Laut der halbstaatlichen Gematik sollen nicht wie zunächst gedacht in Bayern, sondern in Schleswig-Holstein und Westfalen-Lippe ab September verstärkt E-Rezepte ausgestellt werden. In einem Pilotverfahren sollen sukzessive immer mehr Praxen und Klinken dazukommen, damit die Nutzung steigt und schließlich von einer flächendeckenden Anwendung die Rede sein kann.

Schleswig-Holstein und Westfalen-Lippe machen den Anfang

Angedacht ist zudem, dass die Digitalverschreibung in diesen beiden Regionen auch für die Praxen und Klinken ab Dezember 2022 zur Pflicht wird. Voraussetzung hierfür ist aber, dass die Gesellschafter der Gematik - neben dem Bund auch Ärzte-, Klink- und Kassen-Organisationen - mit der Pilot-Einführung zufrieden sind und ihn als Erfolg werten. Es kann also mit weiteren Verschiebungen in diesem Mammut-Prozess gerechnet werden.

Ebenfalls im Dezember soll die sukzessive Einführung des E-Rezepts in sechs weiteren Bundesländern starten und der Rest im kommenden Jahr. Auch dies steht unter Vorbehalt. Welche Bundesländer in welcher Phase starten sollen, ist noch offen.

Ursprünglich sollte die Digitalverschreibung schon im Januar bundesweit zur Pflicht werden. Mit dem E-Rezept sollte die Digitalisierung des Gesundheitswesens vorangebracht werden - statt rosa Zettelchen sollten Patienten einen Code auf ihr Smartphone bekommen, mit dem sie in der Apotheke das gewünschte Medikament bekommen. Wer die dafür nötige App nicht hat oder kein Smartphone benutzt, bekommt den Code ausgedruckt auf einem Zettel. Das E-Rezept gilt nur für gesetzlich Versicherte und nicht für Privatversicherte.

Im Schneckentempo zur Digitalisierung

Das Projekt kam lange Zeit nicht voran. Eine Testphase in Berlin-Brandenburg im vergangenen Jahr verpuffte. Danach startete eine bundesweite Testphase, an der Praxen freiwillig mitmachen können, mit Verspätung. Aus der Ärzteschaft kam scharfe Kritik an dem Vorhaben, sie fürchtete Umsetzungsprobleme im Alltag. Auch unter den Krankenkassen und Apothekern gab es Vorbehalte.

In der bislang laufenden bundesweiten Erprobungsphase wurden in sechs Monaten gut 24 000 E-Rezepte eingelöst. Gemessen an den jährlich etwa 500 Millionen Rezepten, die in Deutschland auf Papier ausgestellt werden, ist das ein verschwindend geringer Anteil. Immerhin zeigt die Kurve der Digitalverschreibungen nach oben. Die nun beschlossenen Vorgaben sollen zu mehr Tempo führen. (uh)


Verwandte Artikel

Bundesministerium für Gesundheit (BMG), dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH