Medtech-Weltmarkt

Es besteht Handlungsbedarf

Pharma-Studie: Wie gewachsene Prozesse nur bis zum nächsten Audit reichen.
Junge Unternehmen bevorzugen vor allem den US-Markt
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Deutschland muss seine Rahmenbedingungen verbessern

Die deutsche Medizintechnik ist international wettbewerbsfähig: Hiesige Unternehmen haben einen Anteil von zehn Prozent am Medtech-Weltmarkt. Auch bei den europäischen Patenten belegt Deutschland mit mehr als 1.200 Anmeldungen im Jahr 2020 einen Spitzenplatz, nur die USA sind noch erfindungsreicher.

Im Vergleich zu Europa investieren die USA pro Kopf allerdings auch mehr mehr als das Doppelte in Medizintechnik. Das macht den alleine aufgrund seiner Größe ohnehin spannenden US-Markt noch attraktiver für Kapitalgeber, Start-Ups und hochqualifizierte Erfinder oder andere Fachkräfte und führt zu jährlich mehr als 5.500 US-Medizintechnikpatentanmeldungen alleine in Europa.

Investitionsfinanzierung der Krankenhäuser auf den Prüfstand

Damit die Medizintechnik in Deutschland ihre Spitzenposition behält, möglichst wenig Know-How abfließt und ihre Innovationsfähigkeit nicht weiter gefährdet wird, müssen nach Einschätzung des Industrieverbandes Spectaris die Rahmenbedingungen für Innovationen deutlich verbessert werden. Dr Martin Leonhard, Vorsitzender Medizintechnik im Verband, sieht Handlungsbedarf sowohl auf europäischer als auch auf Bundesebene: »Die europäisch geregelte Zulassung von Medizinprodukten nach der neuen Medizinprodukteverordnung muss entbürokratisiert werden«. Mit Blick auf das Erstattungssystem hierzulande müsse der Zugang neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden zur Regelversorgung, die wesentlich auf Medizinprodukten basieren, beschleunigt und vereinfacht werden.

Dazu gehört mach Ansicht von Leonhard auch ein eigenes Instrumentarium für die MedTech-Methodenbewertung mit schnelleren Zulassungs- und Erstattungsprozessen, das die Besonderheiten von Medizinprodukten mit kurzen Innovationszyklen und auch andere Nutzendimensionen neben dem Patientennutzen berücksichtigt. Außerdem gehöre die Investitionsfinanzierung der Krankenhäuser auf den Prüfstand. Der Bund sollte im Rahmen einer Innovationsoffensive – Austausch alter Medizingeräte durch moderne, innovative Medizintechnik – gezielt diejenigen Bundesländer belohnen und unterstützen, die ihrer Investitionszusage gegenüber den Krankenhäusern nachkommen.

Innovation gegen alle Widerstände

Dass diese Maßnahmen dringend umgesetzt werden müssen, zeigen auch neue Daten des Themen-Spotlights »Innovation gegen alle Widerstände«, die von der Marktforschungs- und Beratungsgesellschaft Whitechart im Auftrag von Spectaris recherchiert wurden. Die Publikation beschreibt das Investitionsverhalten im deutschen, europäischen und US-amerikanischen Gesundheitsmarkt sowie den Einfluss von Start-Ups auf das Innovationsgeschehen.

»Die innovativen Lösungen der Medizintechnik werden vor allem von den etablierten Unternehmen oder Start-Ups entwickelt oder es wird Wissen durch strategische Investitionen eingekauft, etwa in Form von Beteiligungen oder Übernahmen. Dabei ragt das Themenfeld Digitalisierung deutlich heraus, in dem zurzeit sehr viel geforscht und investiert wird«, erläutert Leonhard. US-Investoren konzentrieren sich schwerpunktmäßig auf den heimischen Markt, während asiatische Kapitalgeber weltweit nach spannenden Investitionsmöglichkeiten Ausschau halten.

Mutige Investoren gesucht

Frank Altmeyer, Geschäftsführer von Whitechart, sieht mit Blick auf den heimischen Markt auch Investoren und Kapitalsuchende in der Pflicht: »Deutschland braucht mutige Investoren und Unternehmen, die investieren. Nur so können viele Gründer angezogen und gehalten werden«. Investoren müssten noch stärker als bisher über die Chancen des deutschen Gesundheitsmarktes aufgeklärt und zum Dialog eingeladen werden.

»Investitionen in den Gesundheitsmarkt bedeuten Nachhaltigkeit, Stabilität, erfordern aber einen langen Atem. Ein Investor muss gerade im Medizintechnikmarkt mehr Geduld aufbringen als in anderen Industrien«, so Altmeyer. Vereinfachungen auf der regulativen Seite des Gesundheitssystems hält auch er für dringend erforderlich. »Bis es soweit ist, sollten ‚Geldnehmer‘ aber ehrlich sein und keine überzogenen Businesspläne erstellen, nur um den Investor zu begeistern. Nachhaltig, stabil aber mit einer längeren Laufzeit: So lassen sich Investments im Medizintechnikmarkt treffend beschreiben.« (me)


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