Carl Zeiss Meditec

Gutes Wachstum, maue Aussichten

9. Dezember 2022, 8:20 Uhr | Ute Häußler
Medizintechnik Zeiss Jena Westbahnhof Standort Thüringen
In Jena (Thüringen) baut Zeiss gerade einen neuen Hightech-Standort, in dem alle Entwicklungseinheiten sowie ein Großteil der lokal ansässigen Produktions- und Verwaltungsabteilungen angesiedelt werden.
© Zeiss

Die Jenaer Medizintechniker schließen das Geschäftsjahr 2021/22 mit einem satten Umsatzplus ab - die Auftragsbücher sind trotz politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit gut gefüllt. Die Börse reagierte dennoch enttäuscht.

»Wir blicken erneut auf ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr zurück. Angesichts der deutlich gestiegenen geopolitischen und makroökonomischen Risiken sowie der zunehmenden Inflation sind wir mit dem erzielten Ergebnis hoch zufrieden. Aufgrund der gut gefüllten Auftragsbücher und stabiler Nachfrage nach unseren Innovationen sind wir zuversichtlich, auch 2022/23 auf Wachstumskurs zu bleiben,« sagte Vorstandvorsitzender Dr. Markus Weber zum Jahresabschluss.

Engpässe fördern Nachfrage und Wachstum

Und die am Freitag vorgestellten Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen. Carl Zeiss Meditec erzielte im Geschäftsjahr 2021/22 einen Umsatz von rund 1.903 Millionen Euro, was einem Wachstum von +15,5% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Augenheilkunde leistete dazu einen besonders hohen Beitrag: Der Auftragseingang für  Verbrauchsmaterialien, Implantate und zugehörige Dienstleistungen stieg um 30,5% auf 1.721 Millionen Euro. Die Thüringer profitierten von steigenden Fertigungs- und Lieferzeiten aufgrund von Engpässen in den weltweiten Lieferketten und in der Materialbeschaffung. Die Nachfrage im Geräte- und Verbrauchsmaterialiengeschäft blieb robust. Eine ähnliche positive Entwicklung zeigt sich im geschäftsbereich Mikrochirurgie. Wie auch 2020/21 erholte sich der Umsatz um fast 11% auf 434 Millionen Euro, der Auftragseingang stieg sogar überproportional um 28,6% auf 530 Millionen Euro an.

Während der Umsatz in Amerika durch den schwächeren Euro konstant blieb, verzeichnen die Meditec-Kernmärkte Deutschland, Frankreich und Südeuropa sowie Großbritannien weiterhin ein solides Wachstum. Der größte Schub kam aus dem asatisch-pazifischen Raum, wobei China und Indien mit einem Pus von 25% am stärksten wuchsen.

»Maues« Wachstum und hohe Investitionen

Trotz der makroökonomische und politischen Unsicherheit wie der angespannten Lieferketten, der hohen Inflation, Chinas COVID-Restriktionen und dem Krieg in der Ukraine blickt Carl Zeiss Meditec sehr zuversichtlich auf das kommende Jahr. Bei gleichbleibenden Voraussetzungen will das Medizintechnikunternehmen zumindest auf Marktniveau wachsen, die die EBIT-Marge dürfte um die 19 bis 21% liegen - langfristig wird mit konstant über 20% gerechnet.

Bei den Anlegern kam der Ausblick dagegen gar nicht gut an. Die Aktie rutsche nach Präsentation der Ergebnisse um mehr als 10% ab. Insbesondere die anhaltenden China-Lockdowns bereiten den Investoren Sorgen: Dort werden viele Augen-OPs verschoben. Carl Zeiss Meditec produziert unter anderem künstliche Linsen gegen den Grauen Star, OP-Mikroskope sowie Laser. Zudem kündigten die Thüringer hohe Ausgaben für (zusätzliches) Personal, die Forschung und Entwicklung wie auch den Vertrieb und das Marketing an. Ein auf Finanzen.net zitierter Experte bezeichnet die Aussichten als »mau.« (uh)

Erstellt unter Verwendung von Material von Carl Zeiss Meditec.

 


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