Start-Up des Monats

KI-Medizin für den Mittelstand

1. Juli 2022, 0:00 Uhr | Ute Häußler
Medizintechnik KI Künstliche Intelligenz Medizintech nik Medizingeräte EmbeddedPrognose Therapie Diagnose
© AITAD

AITAD aus Offenburg entwickelt "eingebettete" Künstliche Intelligenz für Medizingeräte.

Wie lautet euer Elevator Pitch?

Wenn ein Medizingeräte-Hersteller wissen will, ob er KI in sein Gerät integrieren sollte, kommt er zu. Wir prüfen die Geräte und entwicklen die passende KI in unserem Labor. Als Full-Stack-Anbieter von Embedded-KI-Komponenten unterstützen wir Medtech-Hersteller bei User Interaction (UI), Predictive/Preventive Maintenance und funktionalen Innovationen. Wir bieten Lösungen zur Sprach- und Gestensteuerung über Personen- und Operationsraumerkennung bis hin zur frühzeitigen Ausfallsvorhersage von medizinischen Lüftern, Schläuchen und Motoren an.

Von der Konzeption über das Datensammeln und -Analyse für die KI, hin zum Soft- und Hardwareentwurf einzelner Sensorkomponenten sowie Einbau und Test des Prototyps - wir treiben die Lösungen bis in die Serie. Für das schnelle Go-to-Market haben wir eine automatisierte Kleinserienfertigung hier in Offenburg.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Unser Gründer, Viacheslav Gromov, bemerkte insbesondere im Mittelstand einen Rückgang an Innovationen - trotz eines oft hohen Potentials. Immer mehr Innovationen in den Bereichen Medizin, Embedded und Künstliche Intelligenz kommen derzeit aus Asien - und genau dieser Entwicklung wollen wir adäquat gegensteuern. Embedded-KI ist ein komplexes, aber auch ein wichtiges Innovationsfeld: Medizingerätehersteller, die intelligente Algorithmen in ihre Produkte integrieren, sind oft die ersten am Markt und können mit einzigartigen Features Wettbewerbsvorteile erlangen. Im Bereich Preventive/Predictive Maintenance geht das noch ein Stück weiter: Hier kommen die Unternehmen ihr Geschäftsmodell weg vom Stückpreis-Wettbewerb in Richtung Serviceleistungen ausbauen.

Was war euer größter Erfolg?

Da gibt es direkt mehrere. Da sind zum einen Halbleiter- und Sensorherstellern, von denen wir vermehrt Anfragen und Anerkennung erhalten, wie wir Embedded-KI mit ihrer Sensorik umsetzen. Unser Kundenstamm erweitert sich. Neben dem Mittelstand kommen nun auch Großunternehmen mit Projektanfragen auf uns zu. Und erst kürzlich bewies sich wieder einmal die Qualität unseres Teams, als wir gravierende Fehler in großen Halbleitern entdeckten, die wir für unsere Kunden dann umschifft haben.

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© AITAD

Und der größte Rückschlag?

Wir haben eine halbautomatisierte EMS-Fertigungsstrecke (Electronics Manufacturing Services) auf einer Büroetage aufgebaut. Für uns war das mit großem Aufwand verbunden. Und dann kam Covid, dazu die Lieferschwierigkeiten der Hersteller – alles verzögerte sich. Mit den Lockdowns war es eine Herausforderung, stabile Prozesse in der Fertigung zu entwickeln und diese im Anschluss zu optimieren. Mittendrin erwischte uns der Halbleiterengpass. Aber wir haben daraus weiter optimiert: Um keine Verzögerungen für unsere Kunden zu schaffen, setzen wir jetzt auf einen automatisierten Lötroboter, der aus Platinen die für unsere Entwicklungen notwendigen Chips herauslötet.

Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

In fünf Jahren werden sehr viele Unternehmen unsere Entwicklungen nutzen und wir verbessern damit deren Medizingeräte mit KI deutlich. Das heißt das nicht zuletzt, noch hochwertigere Funktionen in medizinischen Geräten, weitere Entlastungen für das Personal und für Patienten eine bessere Versorgung - teilweise wird die KI Neuerungen schaffen, an die wir heute noch gar nicht denken.

Wie sieht die Medizin der Zukunft aus?

Wir sind bereits mittendrin. Sinnvolle Datenverknüpfung und Analyse, auch auf großen applikativen Ressourcen mit „großer“ KI schafft eine Menge an neuen automatisierten Prozessen. Sie minimiert menschliche Fehler und gibt behandelnden Ärzten und Schwestern tiefere und vollumfänglichere Einblicke in den Gesundheitszustand von Patienten. Durch die Datenanalysen mittels KI wird es in der Zukunft sogar möglich sein, die Eintrittswahrscheinlichkeit von bestimmten Krankheiten und Genesungsprozesse in einem Ausmaß vorherzusagen, dass wir uns heute gar nicht vorstellen können. Embedded-KI könnte zum Beispiel eingesetzt werden, um Gefühlszustände respektive Psyche anhand von Stimmlage und Sprachklang besser einzuschätzen. Medizinischen Geräte in Arztpraxen, Krankenhaus und Operationssaal wird KI eine Intelligenz verleihen, dass sie mit dem Benutzer und Patienten auf funktionaler und kollaborativer Ebene interagieren. Wichtig dabei: die KI muss nach rechtlichen und ethischen Vorgaben ausgerichet sein. (uh)

 

Fakten zum Start-Up
Kunden ca. 15
Gründung 2018
Mitarbeiter ca. 20
Finanzierung eigenfinanziert
Webseite www.aitad.de

 


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