EKG in 10.000 Meter Höhe

Lufthansa nutzt Telemedizin an Bord ihrer Langstrecke

13. Juni 2019, 13:30 Uhr   |  Lufthansa

Lufthansa nutzt Telemedizin an Bord ihrer Langstrecke
© Lufthansa

Ab sofort nutzt die Lufthansa auf Langstreckenflügen Telemedizin.

Lufthansa stattet all ihre Langstreckenflugzeuge mit dem mobilen EKG-System CardioSecur aus. Das System ermöglicht es Flugbegleitern, bei medizinischen Notfällen ohne kardiologisches Fachwissen ein EKG aufzuzeichnen, das zur Diagnose direkt an eine medizinische Hotline am Boden gesendet wird.

Herz-Kreislauf-Beschwerden sind der häufigste Grund für medizinische Zwischenfälle an Bord. Sofern Ärzte an Bord sind, konnten sie bislang hilfsweise den Defibrillator nutzen, um eine bessere Einschätzung zu erlangen. Doch die so ermittelten Werte ersetzen kein EKG. Als weltweit erste Fluggesellschaft hat Lufthansa all ihre Langstreckenflugzeuge mit dem mobilen EKG-System CardioSecur ausgerüstet. 2018 wurde das System zunächst auf der A380-Flotte getestet. Ab sofort ist es auf allen Langstreckenflugzeugen für medizinische Notfälle verfügbar.

Das mobile EKG-System nimmt mit 50 Gramm nur wenig Gewicht und Raum in Anspruch. Es besteht aus einer App auf dem Cabin Mobile Device (iPad mini) der Flugbegleiter sowie einer kleinen Tasche mit EKG-Kabel und vier Einweg-Elektroden. Klagt ein Fluggast über Herzbeschwerden, zeichnet das System in wenigen Schritten ein EKG auf: Als erstes stellt der Flugbegleiter eine Internetverbindung per WLAN über das FlyNet Netzwerk mit dem Cabin Mobile Device her und startet dann die App. Anschließend verbindet die Crew das EKG-Kabel mit den vier Elektroden und platziert sie am Oberkörper des Erkrankten. Die App zeichnet ein Zwölf-Kanal-EKG auf. Manuell können weitere Parameter über den Patienten, wie Alter, Gewicht, Geschlecht, Blutdruck und Sauerstoffsättigung, erfasst werden.

Datenübertragung per FlyNet an Arzt am Boden

Diese Daten werden über die App an die ärztliche Hotline von »International SOS« (ISOS) übertragen. Der Lufthansa Vertragspartner kann rund um die Uhr von Piloten und Pursern bei medizinischen Fragen kontaktiert werden. ISOS wertet das EKG aus und berät beim telefonischen Austausch auf Basis der Daten die Cockpit-Crew, die letztendlich die Entscheidung treffen muss, ob eine Zwischenlandung erforderlich ist. Sollte unter den Passagieren ein Arzt an Bord sein, kann dieser mit dem Expertenmodus in der App außerdem die Herzaktivität überwachen.

Über das bestehende Programm »Arzt an Bord« kann das Kabinenpersonal im Falle eines medizinischen Notfalls die an Bord befindlichen Ärzte inklusive ihrer Fachrichtung schnell identifizieren. An dem Programm von Austrian Airlines, Lufthansa und Swiss nehmen derzeit mehr als 11.000 Ärzte aller Fachgebiete teil, um bei medizinischen Zwischenfällen zu helfen. Dazu steht an Bord ein optimal und über die Vorschriften hinausgehend ausgerüsteter Notfallkoffer und weiteres Material zur Verfügung. (me)

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