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Mitlernende Prothesen jetzt auch für den Oberarm

12. August 2022, 11:47 Uhr | Ottobock
Prothesen Oberam Amputation Ottobock Myo Technologie
Myo Plus App zur Mustererkennung für die Oberarm-Prothese.
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Die Myo-Technologie von Ottobock funktioniert jetzt auch für Oberarm-Amputierte.

Karl-Heinz Ammon hat seinen Arm bei einem Arbeitsunfall oberhalb des Ellenbogens verloren. Er freut sich, dass die Myo Technologie endlich auch für Anwender mit Oberarm-Amputation funktioniert: »Meine vorherige Prothese hat mir die Bewegungen vorgegeben« , sagt er. »Mit Myo Plus gebe ich die Bewegungen der Prothese vor. Sie lernt von mir. Das ist die Zukunft!«

Darum gab es Myo Plus bisher nur für den Unterarm

Myoelektrische Impulse sorgen im Muskel für Bewegungen, z.B. der Hand. Intelligente Handprothesen machen sich das zunutze: Elektroden im Prothesenschaft nehmen die Muskelimpulse auf und eine Künstliche Intelligenz (KI) lernt, welche Bewegungen ProthesenträgerInnen ausführen möchten, zum Beispiel das Greifen nach einer Tasche. Solche »gedankengesteuerten« Prothesen bot Ottobock bisher nur für den Unterarm an. Der Grund: Im Oberarm sind deutlich weniger myoelektrische Signale vorhanden: Öffnen und Schließen, die Innen- und Außendrehung der Hand, sowie das Beugen und Strecken des Ellenbogens passieren im Unterarm. Bei einem fehlenden Arm oberhalb des Ellenbogens müssen diese Bewegungen daher aufwendig ersetzt und gesteuert werden.

Neuer Lösungsansatz für den Oberarm

Ottobock hat jetzt eine innovative Oberarm-Prothese im Portfolio: Myo Plus TH. Dabei handelt es sich um eine Prothesensteuerung für den Dynamic Arm, die mit Künstlicher Intelligenz (KI) und Mustererkennung die gewünschten Bewegungen im Oberarm erlernt und intuitiv ausführt. Dafür kommen im Prothesenschaft mit Myo Plus TH Steuerung deutlich mehr Elektroden zum Erkennen von Muskelimpulsen zum Einsatz. »Mit der Oberarm-Lösung erhoffen wir uns, noch mehr Menschen eine ideale Versorgung bieten zu können«, sagt CTO Dr. Andreas Goppelt. Das Produkt soll nach erfolgreichen Tests bald auf den Markt kommen.
 

Karl-Heinz Ammon war der erste Europäer mit einer TMR (Targeted Muscle Reinnervation) Operation und trägt nun als erster Anwender die neue Myo Plus TH Steuerung, einen Dynamic Arm und die bebionic Hand im Rahmen des Entwicklungsprojektes von Ottobock. Die TMR-Operation nach einer Amputation ist keine Voraussetzung für die Versorgung mit Myo Plus TH – bietet aber einen deutlichen Mehrwert: ChirurgInnen verbinden Nerven, die Signale an den natürlichen Arm übertragen haben, mit noch vorhandenen Muskeln. So kann die Prothese auf mehr Steuersignale zurückgreifen. Die Kombination aus TMR und Myo Plus TH zeigt daher großes Potential, um die Versorgungsqualität zu erhören. (uh)


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