Medizinroboter

Präziser, schonender und effektiver

Das Avicenna Roboflex-System im Asklepios Westklinikum Hamburg
Das Avicenna Roboflex-System im Asklepios Westklinikum Hamburg
© Asklepios Kliniken

Urologen in Hamburg behandeln Nierensteine mit OP-Roboter

Schwerpunktthema Medizinroboter

In Deutschland leiden etwa fünf Prozent der Menschen an Nierensteinen, Männer sind häufiger betroffen als Frauen. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Fälle mehr als verdreifacht. Nierensteine können lange Zeit unbemerkt bleiben, aber auch schmerzhafte Nierenkoliken und Harnstau verursachen. Im schlimmsten Fall droht ein Nierenversagen.

Für Patienten mit Nierensteinen bietet die Urologie im Westklinikum Hamburg jetzt erstmals in Norddeutschland eine besonders schonende und effektive Therapie an: die roboterassistierte Operation mit dem Avicenna Roboflex-System. Der Zugang erfolgt endoskopisch über die Harnröhre (»Harnleiterspiegelung«), wobei der Operateur von einer Konsole aus und vom Roboter unterstützt millimetergenau navigiert und die Steine per Laser zertrümmert.

Keine zusätzlichen Einschnitte nötig

»Mit dem Avicenna Roboflex wird die operative Steintherapie auf ein neues Niveau gehoben«, sagt Prof. Dr. Thorsten Bach, Chefarzt der Urologie am Asklepios Westklinikum Hamburg. »Durch die robotergesteuerte Steintherapie können wir vor allem in Kombination mit unseren modernen Lasersystemen auch sehr große oder komplexe Steinsituationen effektiv und schonend behandeln.« Hierbei setze man auf natürliche Körperöffnungen, bleibe minimal-invasiv.

»Zusätzliche Einschnitte sind nicht mehr notwendig« so Bach weiter. Ein Zugang von außen durch die Haut zur Niere, wie er jahrzehntelang Standard in der Therapie großer Steine war, ist dank des Roboflex-Systems nur noch sehr selten notwendig. Ein weiterer Vorteil: Dank einer integrierten Kamera sind während des Eingriffs weniger Röntgenkontrollen nötig, wodurch die Strahlenbelastung für Patienten und Ärzte sinkt.

OP-Roboter entlastet Chirurgie-Personal

Durch die moderne roboter- und digitalgestützte Technik wird der Operateur zudem entlastet. Das System überträgt seine Bewegungen präzise auf die Instrumente und ermöglicht es ihm, jeden Punkt in der Niere zu erreichen und die Steine mittels Laserenergie zu Staub zu zerkleinern oder zu entfernen.

Hierbei kann der Operateur an einer externen Konsole alle wesentlichen Bewegungen und Einstellungen vornehmen - und das in ergonomischer Sitzposition, die sich letztendlich auch direkt auf die Behandlungsqualität überträgt. »Ein entspannter Operateur ist ein guter Operateur - und das ist gut für den Patienten«, so Bach. Der postoperative Krankenhausaufenthalt würde bei dieser Methode in der Regel nur zwei bis drei Tage dauern. »Kosten entstehen für den Patienten natürlich nicht«, ergänzt Professor Bach.

Roboflex auch in Heilbronn im Einsatz

Der Roboflex wird zurzeit in Deutschland nur noch vom Team der Heilbronner Klinik um Prof. Rassweiler eingesetzt. Zusätzlich zu dieser zukunftsträchtigen Steintherapie steht die Urologie im Asklepios Westklinikum vor allem für die High-End-Therapie der gutartigen Prostatavergrößerung. Hierfür werden alle in den aktuellen Leitlinien empfohlenen Methoden vorgehalten. Für den AquaBeam-Roboter, mit dem die Prostata computergestützt effektiv und minimal-invasiv behandelt wird, gilt Professor Bach als weltweit führender Experte. (me)

 


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