SHS-Medizintechnik-Index 2019

SHS sieht Medizintechnik wieder auf Erfolgsspur

04. August 2020, 08:20 Uhr   |  SHS

SHS sieht Medizintechnik wieder auf Erfolgsspur
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SHS rechnet trotz Corona auch für 2020 mit einer guten Entwicklung für die Medizintechnik .

Medizintechnik-Branche steigert in 2019 Umsatz um 10 Prozent


Zusammenfassung

Der SHS Medizintechnik-Index ist im Jahr 2019 wieder gestiegen. Nach den beiden schwächeren Vorjahren 2017 und 2018 ist der SHS Medizintechnik-Index im vergangenen Jahr um mehr als 4 Prozentpunkte nach oben geklettert. Indextreiber war dabei vor allem die Umsatzsteigerung der deutschen Medizintechnikbranche.

Die wichtigsten Ergebnisse: 

  • SHS sieht die Medizintechnik in Deutschland 2019 wieder in der Erfolgsspur
  • Medizintechnik-Branche steigert in 2019 Umsatz um 10 Prozent
  • SHS rechnet trotz Corona auch für 2020 mit einer besseren Entwicklung für die
  • Medizintechnik als für die Gesamtwirtschaft in Deutschland
  • Auswirkungen der EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR) noch nicht verdaut

Nach den beiden eher verhaltenen Jahren 2017 und 2018 ist die deutsche Medizintechnik im Jahr 2019 wieder auf die Erfolgsspur eingebogen. Indikator dafür ist der SHS Medizintechnik-Index 2019. Dies berichtet die SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement mbH, Tübingen, die den Index gemeinsam mit Professor Dr. Christian Koziol, Lehrstuhlinhaber Finance an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, entwickelt hat.

Der im Jahr 2019 erstmals erstellte Index bildet die Wachstumsfähigkeit, die Innovationskraft und die wirtschaftliche Leistung der Medizintechnik-Branche seit 2010 im Vergleich zur Gesamtwirtschaft ab. In die Berechnung fließen folgende Datenreihen ein: Anzahl der Patentzulassungen, Umsatz bzw. BIP, Zahl der Erwerbstätigen und die Aktienkurse.

2019 deutlicher Zuwachs an Medizintechnik-Patenten

»Unsere Zahlen deuten an, dass die Medizintechnik im Vergleich zur Gesamtwirtschaft weniger schwankend und weniger konjunkturabhängig ist«, sagt Koziol. Außerdem sie diese technologische Schlüsselbranche sehr innovativ. Diese Innovationskraft zeigt sich, so die Ersteller des SHS Medizintechnik-Index, in der Anzahl der Patente. 1.222 neu zugelassene Patente in der deutschen Medizintechnik im Jahr 2019 bedeuten einen Zuwachs von 11,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Für die Gesamtwirtschaft liegt dieser Wert im Vergleich bei 1,89 Prozent. Ähnlich sieht es bei der Umsatzentwicklung aus. Während das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2019 gegenüber 2018 um 2,7 Prozent auf 3,4 Billionen Euro anstieg, konnten die deutschen Medizintechnik-Unternehmen ihren Umsatz 2019 um 10,4 Prozent auf 33,4 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr steigern.

Brexit beflügelt Einkaufverhalten

Als mögliche Ursachen für das gute Abschneiden der Medtech-Branche vermuten die Tübinger Experten des Brancheninvestors SHS unter anderem Vorzieheffekte. Der bevorstehende Brexit könnte Kunden aus Großbritannien veranlasst haben, ihre Lager in 2019 nochmal zu füllen. Die Aussicht auf mögliche Zollschranken und Handelsquerelen könnten auch die Kunden in den USA veranlasst haben, ihre Lager mit Medizintechnik-Gütern aus Deutschland aufzufüllen.

Zudem hat der Handelsstreit zwischen den USA und China vermutlich auch zu einer erhöhten Nachfrage chinesischer Kunden nach deutschen Medizintechnikprodukten geführt. Hinzu kommt die ursprünglich für Mai 2020 geplante Einführung der europäischen Medizinprodukteverordnung, in deren Folge Zertifizierungsengpässe befürchtet wurden, was zu einer grundsätzlichen Lagerauffüllung bei vielen Medizintechnikkunden geführt haben dürfte.

EU-MDR: Aufgeschoben ist nicht aufghoben

»Die Aufregung um die Verfügbarkeit medizintechnischer Produkte in der aktuellen Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig die Branche für Deutschland ist«, sagt SHS-Geschäftsführer Hubertus Leonhardt. Die Politik sollte alles tun, um Deutschland als Forschungs- und Produktionsstandort für die Medtech-Industrie zu stärken, anstatt neue Hürden aufzubauen. Das Inkrafttreten der EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR: Medical Device Regulations) wurde zwar Corona-bedingt auf Mai 2021 verschoben, »aber wir haben gesehen, wie sehr diese Verordnung die Unternehmen schon 2019 beschäftigt hat.«

Für das laufende Jahr 2020 sind die Ersteller des SHS Medizintechnik-Index vorsichtig optimistisch und rechnen trotz der zu erwartenden Umsatzrückgänge bedingt durch die Vorzieheffekte des Jahres 2019 mit einem Anstieg des Index und einer besseren Performance des Medizintechnik-Sektors im Vergleich zur Gesamtwirtschaft. »Die Corona-Krise wird natürlich an der deutschen Medizintechnikindustrie nicht unbemerkt vorbeigehen«, sagt Dr. André Zimmermann, Partner bei der SHS. Man müsse hier allerdings differenzieren: Medizintechnik-Unternehmen aus dem Bereich elektiver Eingriffe wie zum Beispiel Hersteller von Dental-Implantaten und sogar Herzkathetern werden mehr leiden, weil Operationen aufgeschoben wurden und zum Teil noch werden. Anbieter aus dem Bereich Intensivmedizin (zum Beispiel Beatmungsgeräte) und Diagnostik werden teilweise signifikant zulegen.

Herausforderungen aktiv stellen

Die deutsche Medizintechnik-Industrie, die sehr stark mittelständisch geprägt ist, sollte sich den Herausforderungen aktiv stellen, so die Empfehlung des Brancheninvestors. Digitalisierung, Kostendruck, internationaler Wettbewerb und die regulatorischen Hürden für Medizinprodukte seien vor allem für kleinere und mittlere Medizintechnik-Unternehmen große Herausforderungen.

»Die deutschen Medtech-Unternehmer sind innovative Macher, was ihre Produktentwicklung angeht. Die Zulassung neuer Medizintechnik-Produkte und die anschließende globale Vermarktung haben zwischenzeitlich aber eine deutlich höhere Kapitalintensität«, so Leonhardt. In der aktuellen Situation geht er davon aus, dass gerade jetzt aktive Unternehmen ihre Marktposition durch eine kluge Strategie und ausreichend Eigenkapital ausbauen können.

»In diesem Bereich beabsichtigen wir auch in den nächsten Quartalen Beteiligungen an Unternehmen einzugehen, die Produkte durch internationale Zulassungsverfahren bringen möchten, Buy-and-Build-Optionen planen oder eine Veränderung im Gesellschafterkreis anstreben.« (me)

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