B.Braun

Umsatz steigt, Gewinn sinkt

28. März 2022, 13:57 Uhr | B. Braun, dpa
B. Braun Medizintechnik Umsatz
© B. Braun

Der Medizintechnik-Hersteller B.Braun hat seinen Umsatz 2021 um 5,8 Prozent auf 7,86 Milliarden Euro gesteigert.

Alle Sparten hätten gute Umsatzsteigerungen erzielt, sagte Vorstandschefin Anna Maria Braun auf der Bilanzpressekonferenz. Der Gewinn unterm Strich sank aber leicht auf gut 300 Millionen Euro nach 301,5 Millionen Euro im Vorjahr. Trotz gestresster Lieferketen war der Konzern durchgängig lieferfähig geblieben.

Hospital Care profierte von einer hohen Nachfrage nach Infusionspumpen. Aesculap wuchs nach einem pandemiebedingt schwierigen Jahr 2020 am kräftigsten. Durch das erneute Aussetzen planbarer Operationen in vielen Ländern konnte das Vorkrisenniveau allerdings noch nicht wieder erreicht werden. Bessere Umsätze im Bereich Extrakorporale Blutbehandlung sowie der Ausbau des Geschäfts im Bereich Wundmanagement stärkten die Entwicklung von Avitum.

»Angesichts der deutlich positiven Umsatzentwicklung kann uns das Ergebnis nicht zufriedenstellen«, betonte Braun. Sie erklärte die Entwicklung vor allem mit stark gestiegenen Rohstoff-, Energie- und Logistikkosten. Diese habe das Unternehmen nur begrenzt weitergeben und trotz eines strikten Kostenmanagements nicht kompensieren können. Braun kündigte daher Preissteigerungen im laufenden Geschäftsjahr an.

Hohe Investitionen ohne neue Schulden

Trotz des volatilen Marktumfelds hat B. Braun im Geschäftsjahr 2021 über eine Milliarde Euro in neue Produktionen sowie Forschungs- und Entwicklungsprojekte investiert. So wurde am Heimatstandort Melsungen der Bau einer neuen Medical-Fertigung begonnen und die weitere Automatisierung der Produktion von Infusionspumpen vorangetrieben. In Deutschland hat B. Braun auch in die Erweiterung und Modernisierung der Spritzenfertigung investiert. Die Investitionen an den Standorten in den USA wurden fortgesetzt. Mit dem Zukauf weiterer Unternehmensanteile an der Schölly Fiberoptic GmbH sicherte sich Aesculap Know-how und Technologiezugang im Bereich endoskopischer Visualisierung. Avitum setzte die Bauarbeiten für ein neues Werk zur Herstellung von Desinfektionsprodukten im schweizerischen Sempach fort.

Seine Nettofinanzschulden konnte B. Braun erneut verringern: Sie reduzierten sich im Geschäftsjahr 2021 um 3,6 Prozent auf 2.447,7 Millionen Euro (Vorjahr: 2.537,9 Millionen Euro). Auch die Eigenkapitalquote verbesserte sich von 37,5 Prozent im Vorjahr auf 40,7 Prozent 2021. B. Braun-Finanzvorständin Dr. Annette Beller sagt »Um auch künftig aus eigener Kraft zu wachsen, werden wir unser diszipliniertes Ressourcenmanagement fortsetzen sowie weitere gezielte Maßnahmen zur Verbesserung unserer Profitabilität einleiten«, der Konzern sei finanziell gesund aufgestellt.

Auswirkungen des Ukraine-Kriegs

Für dieses Jahr geht das Unternehmen von anhaltenden Unsicherheiten in den Märkten aus, die durch den Krieg in der Ukraine noch verstärkt werden. Die gesamtwirtschaftlichen und geopolitischen Auswirkungen sowie deren Folgen für B.Braun seien derzeit noch nicht abschätzbar.

B.Braun ist in der Ukraine mit einer eigenen Vertriebsgesellschaft in Kiew präsent. Aktuell seien dort 65 Menschen beschäftigt, erläuterte Braun. In Russland - mit einem Umsatz von 250 Millionen Euro der sechstgrößte Markt von B.Braun - seien rund 3400 Menschen für den Medizintechnik-Hersteller tätig. Im zentralrussischen Twer produziert das Unternehmen etwa Infusionslösungen und -zubehör für den lokalen Markt. Ferner betreibt B.Braun Dialysezentren. Das Unternehmen arbeite intensiv daran, die Gesundheitsversorgung trotz des schwierigen Umfelds in der Ukraine und in Russland sicherzustellen.

Digitalisierung der Medizintechnik

Auch gestiegen ist die Anzahl der Mitarbeiter, mit 64 317 Menschen arbeiteten 2021 3 Prozent mehr Angestellte für den Konzern. Einer der Hauptgründe war die weltweite Expansion, aber auch die Digitalisierung. Mit Spaceplus  hat B. Braun in 2021 beispielsweise die neueste Generation von Infusionspumpen auf den Markt gebracht. Mit den neuen Möglichkeiten der Vernetzung und der erstmaligen Anbindung an die B. Braun-Cloud entwickelt das Unternehmen die smarte Infusionstherapie im Krankenhaus kontinuierlich weiter. Wichtige Schritte Richtung Zukunft waren auch die ersten Projekte für integrierte Versorgungslösungen von B. Braun Supply Solutions. Sie zielen darauf ab, die Instrumente im OP eines Krankenhauses künftig automatisiert überwachen und aufbereiteten zu können. Ein deutlich umweltfreundlicherer Actreen-Katheter bei Avitum zahlt auf die vielfältigen Nachhaltigkeitsaktivitäten von B. Braun ein.

B.Braun stellt unter anderem Kanülen, Nährlösungen, chirurgische Instrumente und Pflaster her. Das Unternehmen beschäftigt 15 893 Mitarbeiter in Deutschland.


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