Digital Health

Zähne ohne Zettelwirtschaft

8. August 2022, 14:34 Uhr | Ute Häußler
Telematik GKV Zahnarzt Heil- und Kostenplan digital beantragen
© Mimi Potter

Zahnarzt-Praxen können Behandlungen jetzt digital bei der Krankenkasse anzeigen. Das Papierverfahren wird 2023 eingestellt.

Nach einer sechsmonatigen Pilotphase ist das Elektronische Beantragungs- und Genehmigungsverfahren – Zahnärzte (EBZ) des GKV-Spitzenverbandes und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) am 1. Juli in den Echtbetrieb gestartet.

Das EZB wird zum 1. Januar 2023 als einzig mögliches Antragsverfahren für alle Zahnarztpraxen verpflichtend, bereits jetzt können alle Krankenkasse die digitalen Anträge bearbeiten. Pro Tag werden aktuell rund 2.000 Anträge mit dem EBZ bearbeitet.

»Die Digitalisierung des zahnärztlichen Antragsverfahrens ist ein entscheidender Schritt. Alle Beteiligten – von den Praxen über die Patientinnen und Patienten bis zu den Kassen – sparen dadurch Zeit und Aufwand,« sagt Dr. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands.

Echte Digitalisierung ohne Medienbrüche

Die EBZ digitalisiert nicht lediglich Papierformulare und beendigt damit ressourcenschonend die Zettelwirtschaft - das Verfahren setzt den kompletten Antragsprozess so auf, dass sich der Genehmigungs- und Dokumentationsprozesse spürbar vereinfacht. Kleinteilige Arbeitsschritte und Bürokratie im Praxisalltag werden bei gleichzeitig höchsten Ansprüchen an den Datenschutz verringert. Die Vorteile sind unter anderem Zeitersparnis, eine schnellere Genehmigung, die Vermeidung von Medienbrüchen, eine sichere Datenübertragung und -verarbeitung sowie eine optimierte Terminplanung. Die Gematik war an dem Prozess nicht beteiligt.

Entlastung für Praxen, Kassen und Versicherte

Die Digitalisierung des Verfahrens betrifft vor allem Heil- und Kostenpläne (HKP) bei Zahnersatz. Patienten wird durch das EBZ künftig nicht mehr der herkömmliche und für Laien sehr komplexe HKP ausgehändigt. Vielmehr erhalten sie eine Ausfertigung mit allen relevanten Inhalten in allgemeinverständlicher Form. Diese beinhaltet auch die erforderlichen Erklärungen des Versicherten bezüglich Aufklärung und Einverständnis mit der geplanten Behandlung. Weitere Therapien, die digital beantragt und angezeigt werden, sind die kieferorthopädische Behandlung sowie die Behandlung von Kieferbruch und von Kiefergelenkserkrankungen. Ab dem Jahr 2023 kommt dann auch die Behandlung von Parodontalerkrankungen dazu. Dann sind keinerlei Anträge auf Papier mehr möglich.

Bearbeitungsdauer deutlich verkürzt

Bei der Umsetzung des EBZ wurde darauf geachtet, möglichst sämtliche Anwendungsfälle in der Zahnarztpraxis zu berücksichtigen und die technische Umsetzbarkeit sicherzustellen. Die PVS-Hersteller wurden hierzu insbesondere auch durch das Engagement des Verbandes der deutschen Dentalsoftware Unternehmen (VDDS) von Beginn an umfassend in das Projekt einbezogen.

Die digitalen Anträge werden datensicher über den Dienst Kommunikation im Medizinwesen (KIM) ausgetauscht. Die Praxis hat alle Anträge digital vorliegen, die direkt von der Praxis an die Krankenkasse übermittelt werden. Bei der Kasse wird der Antrag geprüft und die Antwort ebenfalls per KIM zurück an die Praxis gesandt. Dies kann künftig beispielsweise noch am selben Tag geschehen. Bislang dauert die Bewilligung eines Heil- und Kostenplans für Zahnersatz deutlich länger. Patienten bekommen auch weiterhin schriftliche Informationen über Kosten und Details der geplanten Behandlung von ihrer Praxis ausgehändigt. Von der Kasse erhalten sie einen schriftlichen Bescheid über die Kostenübernahme. Patienteninformation und Bescheid sind wichtige Dokumente für eine eventuell bestehende Zusatzversicherung.

Schub für die Telematik

Die Einführung der EBZ bringt einen deutlichen Schub in der Digitalisierung des zahnärztlichen Bereiches mit sich, von dem auch die Telematikinfrastruktur profitieren soll. Nachdem auch die restliche Ärzteschaft mit Spannung das EBZ-Projekt beobachtet hat, könnte das Modell im gesamten Gesundheitswesen für eine einfachere, administartive Organisation des Praxis-Alltags Schule machen. (uh)


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