Deutscher Zukunftspreis

Zwei Medizintechnik-Projekte im Rennen

15. September 2022, 9:37 Uhr | Ute Häußler, mit Material von dpa
Medizintechnik DEutscher Zukunftspreis Brainlab Carl Zeiss Microscopy
(Un)sichtbare Tumore in Bewegung – Brainlab und die Uniklinik Hamburg Eppendorf schaffen neue Perspektiven für die Strahlentherapie durch präzises Tumortracking.
© DZP

Schon die Nominierung ist eine hohe Auszeichnung, die MedTech-Branche stellt 2022 gleich zwei von drei Kandidaten. Von Brainlab und Zeiss Microscopy sind zwei spannende Projekte für den Preis des Bundespräsidenten vorgeschlagen.

Eine neue Bestrahlungstechnik für Krebspatienten und neue Möglichkeiten in der Mikroskopie sind in diesem Jahr im Rennen um den renommierten Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten. Damit kommen zwei von drei Nominierten aus der Medizintechnik, was die Bedeutung der Branche und ihre Innovationskraft verdeutlicht. Erst letztes Jahr hatte Biontech den Preis für die mRNA-Entwicklung und sein Corona-Vakzin erhalten.

Brainlab gegen Lungenkrebs

Eine verbesserte Bestrahlungsmethode, die speziell bei Lungenkrebspatienten die Heilungschancen erhöhen soll, haben die Brainlab AG in München und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf entwickelt. Gerade bei Lungenkrebs ist die Bestrahlung kompliziert, da sich der Tumor beim Atmen ständig bewegt. Die neue Technologie ermögliche, die Patientenposition während der Strahlenbehandlung exakt zu erfassen und Veränderungen durch ein Nachführen der Bestrahlung auf den betroffenen Bereich exakt auszugleichen, erläuterte das Forscherteam. Dadurch werde treffsicherer als bisher das Krebsgewebe attackiert, weniger gesundes Gewebe nehme Schaden.

Das System kombiniert zwei Röntgensysteme, einen Steuercomputer samt Spezialsoftware und eine Trackingkamera. Die Bewegungen des Patienten bei der Behandlung werden dabei mit einer Oberflächenkamera kombiniert mit einem Wärmesensor erfasst. Um die Technik verwenden zu können, müssen Kliniken ihre Bestrahlungsanlagen nicht ersetzen. Sie lasse sich mit vorhandenen Systemen kombinieren, hieß es.

Gitter-Lichtblatt statt Laser schont Gewebe

Mehr Möglichkeiten in der Zellforschung - auch hier kann es um Krebs gehen - bietet die neue Mikroskop-Technik der Firma Carl Zeiss Microscopy in Jena. Bei der bisherigen Fluoreszenzmikroskopie wird eine mit Biomarker präparierte Probe - Zellen oder Mikroorganismen - mit Laserlicht bestrahlt. Das Licht regt die Biomarker-Moleküle zum Leuchten an, sichtbar werden biologische Vorgänge. Die Methode brachte detailreiche Informationen über Zellen oder Organismen - die sie aber durch das Laserlicht zugleich beeinflusste oder schädigte.

Die neue Technik soll empfindliche lebende Proben davor schützen. Bei der sogenannten Gitter-Lichtblatt-Mikroskopie wird unter anderem nur ein Teil der Probe beleuchtet, die so weniger Schaden nimmt. Dazu trägt auch eine andere Stellung der Mikroskop-Objektive zueinander bei. Um die Proben auf üblichen Glasträgern oder Petrischalen betrachten zu können, kreierten die Wissenschaftler zudem ein System, das Bildfehler aufgrund einer Verzerrung durch das Glas korrigiert.

Das System eröffne neue Perspektiven für eine langdauernde Beobachtung lebender Zellen - und damit für die Forschung in Biologie, Medizin und Pharmakologie, erläuterten die Forscher. Es gehe etwa um die Beobachtung von Krebszellen, aber auch den Malaria-Erreger - und daraus möglicherweise neue Ansätze zur Heilung.

Der Preis ist mit 250 000 Euro dotiert und gehört zu den bedeutendsten Wissenschaftspreisen in Deutschland. Schon die Nominierung gilt als hohe Auszeichnung.


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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH, Carl Zeiss Meditec AG, Brainlab AG