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»Der Druck auf Ingenieure steigt«

09. Februar 2021, 14:53 Uhr   |  Omron Electronic Components

»Der Druck auf Ingenieure steigt«
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Mikrofon (Symbolbild)

Interview mit Hafeez Najumudeen, European Distribution Manager bei Omron Electronic Components Europe

Hafeez Najumudeen: »Die Innovationsfreude in der Medizintechnik ist nach wie vor ungebremst«
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Hafeez Najumudeen: »Die Innovationsfreude in der Medizintechnik ist nach wie vor ungebremst«

Zur Person

Hafeez Najumudeen ist European Distribution Manager bei Omron Electronic Components Europe, eine Position, die er seit über drei Jahren innehat. Er trat dem Unternehmen im Jahr 2015 als Product Marketing Manager bei. Najumudeen hat einen MBA von der TiasNimbas Business School, Niederlande/University of Bradford, Großbritannien, und einen Bachelor in Ingenieurwesen, Elektronik und Kommunikation von der Universität Madras.

Was sind die Haupttrends, die Sie im Gesundheitsversorgungs-/Medizintechniksektor in EMEA sehen?

Mit über einer halben Million Technologien – vom Heftpflaster bis zum Ganzkörperscanner – ist der medizinische Sektor einer der vielfältigsten, was die Identifizierung eines einzelnen Trends erschwert. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass die Innovationsrate im medizinischen Sektor sehr hoch ist: Drei von zehn der wichtigsten technischen Patentanmeldungen beziehen sich auf die Bereiche Medizintechnik, Pharmazie und Biotechnologie. Die Medizintechnik wird nur noch von der Anzahl an Patenten übertroffen, die der digitalen Kommunikation zuzuordnen sind.

Darüber hinaus hat Europa eine positive Handelsbilanz bei medizinischen Geräten auf dem Weltmarkt, wobei die wichtigsten Handelspartner die USA, China, Japan und Mexiko sind. Das zeigt, dass der Sektor Medizintechnik in Europa sehr gesund ist und weiter wächst. Ein Trend, der sich abzeichnet, ist die vermehrte Nutzung von Daten und deren Erfassung mithilfe »intelligenter«Geräte. Die erhobenen Daten unterstützen nicht nur Gesundheitsdienstleister und Patienten, sondern helfen auch bei der Entwicklung neuer Geräte, die dadurch effizienter werden. Die jüngsten Ereignisse haben auch gezeigt, wie wichtig es werden kann, den Entwicklungs- und Zulassungszyklus für diese Produkte zu verkürzen; die durch die Daten gewonnenen Erkenntnisse sind auch in dieser Hinsicht hilfreich.

Welches sind die Schlüsseltechnologien, die neue Anwendungen und eine verbesserte Funktionalität von Geräten im Gesundheitswesen ermöglichen?

Laufend werden neue Sensortechnologien eingeführt und getestet sowohl um neue Anwendungen zu ermöglichen, als auch um die Funktionalität etablierter Medizingeräte zu verbessern. In der Vergangenheit basierten in medizinischen Anwendungen eingesetzte Sensoren typischerweise nur auf einem einzigen mechanischen Prinzip.

Integrierte Schaltungen haben jedoch Herstellern von MEMS-Sensoren ermöglicht, diesen Anwendungsbereich neu zu definieren. Beispielsweise überlegen viele Unternehmen, wie Drucksensoren Anwendungen wie Inhalatoren sinnvoll ergänzen können, um automatisch die Atmung des Patienten zu erkennen. Umweltsensoren werden heute zur Überwachung der Umgebung des Patienten eingesetzt, wie beispielsweise Temperatur, Feuchtigkeit, Druck, VOC (Flüchtige organische Verbindungen, Anm. d. Red.) und Luftreinheit.

Neben modernen Sensorlösungen werden in diesen Anwendungen noch immer traditionelle elektromehanische Komponenten wie MOSFET-Relais, Signalrelais, taktile Schalter und FPC-Steckverbinder benötigt. Dennoch ist offensichtlich, dass es neue Technologien ermöglichen, die Gesamtabmessungen medizinischer Geräte zu verringern, während deren Funktionalität weiter zunimmt.

Sehen Sie einen Trend, dass Funktionalität aus der Medizinelektronik in andere Bereiche übernommen wird?

Medizinische Standardpraktiken, wie häufiges und sorgfältiges Händewaschen, die Verwendung antibakterieller Lösungen und die Überwachung von Symptomen werden zunehmend außerhalb des medizinischen Umfelds eingesetzt. Hier kommen zum Beispiel Systeme wie Relexlichtschranken bei berührungslosen Automatiktüren und Seifenspendern ins Spiel. Infrarotsensoren werden in medizinischen Geräten eingesetzt, um die Körpertemperatur berührungslos zu messen; eine erhöhte Temperatur kann auf einen möglichen Infekt hinweisen. Diese und ähnliche Sensoren werden aktuell verwendet, um Prozesse zu automatisieren, die Hygiene sicherstellen sollen, wie die Abgabe von Wasser und Seife oder das Öffnen von Türen. Die gleiche Technik wurde auch bereits in automatischen Handdesinfektionsgeräten eingesetzt. Es ist zu erwarten, dass die Einführung derartiger Lösungen weiter voranschreitet, da die breite Öffentlichkeit mit neuen Technologien zunehmend vertrauter wird und deren Vorteile erkennt beziehungsweise voraussetzt.

Was sind die wichtigsten Herausforderungen, mit denen sich Ingenieure auf dem Gesundheitsmarkt konfrontiert sehen?

Die oberste Anforderung bleibt die Sicherheit der Patienten, und die strengen Kriterien bei der Zulassungen dürfte in einer Welt nach COVID-19 nicht gelockert werden. Das erhöht den Druck auf Ingenieure, neue Produkte in kürzerer Zeit auf den Markt zu bringen, da die Innovationsrate stetig zunimmt. Wettbewerb ist für jeden Markt unerlässlich, und der medizinische Sektor bildet da keine Ausnahme. Die Zusammenarbeit mit Anbietern, die mit einschlägigen Zulassungsverfahren und Normen vertraut sind, kann hier helfen.

Auf Komponentenebene ist im Allgemeinen keine spezifische medizinische Zulassung erforderlich, aber in Europa werden alle medizinischen Produkte und Geräte entweder unter Klasse I, Klasse IIA, Klasse IIB oder Klasse III eingeordnet. Bei Omron erwarten wir von Kunden, uns entsprechende Informationen weiterzugeben, damit wir den Einsatz unserer Produkte auf der Grundlage dieser Klassifizierung bestätigen können.

Üblicherweise unterstützen wir medizinische Produkte der Klassen I und IIA. Wenn es um die Klasse IIB geht, genehmigen wir die Verwendung von Omron-Produkten auf der Grundlage der Endanwendung und unter der Voraussetzung, dass die Kunden bestimmte Kriterien wie die Anwendbarkeit eines Verfahrens zur Ausfallsicherheit konstruktiv sicherstellen können. Mit seiner langjährigen Erfahrung im Bereich der E-Mech- und Sensorprodukte sowie einem starken, globalen Netzwerk kann Omron seine Kunden und Partner bei der Entwicklung neuer Produkte unterstützen, die aktuelle soziale Bedürfnisse der Gesellschaft im weiteren Sinne erfüllen.
 

Anmerkung: Der Artikel erschien zuerst im Kundenmagazin von Avnet (auf English).

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