Halbleitermangel

Gesundheit sollte vor Konsum kommen

1. Februar 2022, 8:35 Uhr | Katrin Pucknat
Mann in sterilen Anzug hält Microchip mit Symbolen
Die Chipkrise trifft auch die Medizintechnik, doch für die Politik stehen andere Industrien weiter oben auf der Solidaritäts-Agenda.
© AdobeStock/tonefotografia

Gastkommentar von Katrin Pucknat, Präsidentin ResMed Germany

Unzählige Unternehmen, die auf elektronische Komponenten für ihre Produkte angewiesen sind, stehen aktuell vor einer enormen Herausforderung: Zulieferer können die benötigten Bestellmengen pandemiebedingt nicht bereitstellen und die Kosten der Komponenten sind zum Teil drastisch gestiegen. Zudem sind Frachtrouten ausgedünnt, beziehungsweise übersteigt die Nachfrage deutlich das Angebot.

Entsprechend sind auch Frachtkosten im internationalen Güterverkehr um ein Vielfaches höher als vor Pandemiebeginn 2020. Hersteller von Beatmungs- und Atemtherapiegeräten sehen sich darüber hinaus weiteren Herausforderungen gegenüber, die in der Tat über das Wohl und Wehe von Patienten entscheiden: Durch die Pandemie, die einen außergewöhnlichen globalen Nachfrageschub mit sich bringt, und die Rückrufaktion eines Mitbewerbers ist das Auftragsvolumen quasi explodiert. Mehr Patienten sind auf Beatmungs- und Atemtherapiegeräte angewiesen und gleichzeitig stehen weniger Anbieter zur Verfügung, wodurch der Druck auf die verbliebenen steigt, die gestiegene Nachfrage zu bedienen.

Soweit so besorgniserregend. Als Hersteller von Beatmungs- und Therapiegeräten konkurrieren wir aktuell vor allem mit Autoherstellern, Smartphone-Produzenten und Unternehmen im Bereich der Unterhaltungselektronik. Oft handelt es sich dabei um Weltmarken, bei denen das Nachfragevolumen für elektronische Komponenten – insbesondere Halbleiter – riesig ist und die demnach für Hersteller besonders attraktiv sind. Entsprechend können wir in den letzten Wochen in der Wirtschaftspresse immer wieder über exklusive, langfristige Lieferverträge mit diesen Weltmarken lesen. Lieferverträge, die es für Medizintechnikunternehmen noch schwerer machen, sich die benötigten Liefermengen zu sichern, um für eine ausreichende Versorgung von Krankenhäusern und Patienten zu sorgen.

Was wir nun brauchen ist ein Akt der Solidarität. Länderübergreifende Solidarität unter den Wirtschaftsunternehmen, die eine Priorisierung der Medizintechnikunternehmen bei der Versorgung mit kritischen elektronischen Komponenten unterstützen. Solidarität unter den Entscheidungsträgern in den Regierungen, die dieses Thema zur Chefsache erklären und auf eine veränderte Verteilung drängen. Und Solidarität in der Gesellschaft, indem sich jeder und jede einzelne überlegt, ob er oder sie unbedingt jetzt das nächste Smartphone oder die neueste Spielekonsole benötigt. Diese Solidarität ist entscheidend dafür, wie viele Menschen, mit dem von ihnen dringend benötigten medizinischen Therapiegerät versorgt werden können. Und damit schlussendlich auch darüber, von wie vielen Menschen die Lebensqualität gewährleistet werden kann. 
 

Katrin Pucknat: »Ohne entsprechende Einbindung in Notfallplanung steht häusliche Versorgung vor dem Aus.«
Katrin Pucknat: »Wir brauchen einen Akt der Solidarität«
© ResMed

Zur Perosn

Katrin Pucknat ist seit November 2018 die Gesamtgeschäftsführerin von ResMed in Deutschland und leitet die Dachorganisation ResMed Germany Inc, deren Tochtergesellschaften die ResMed Healthcare (ResMed GmbH & Co. KG und ResMed Medizintechnik GmbH) und das Fachhandelsgeschäft der ResMed Deutschland GmbH sind. Seit 2017 ist sie Mitglied im globalen Konzernvorstand.


Verwandte Artikel

WEKA FACHMEDIEN GmbH