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Gesundheitsversorgung per Mausklick

03. Mai 2021, 10:46 Uhr   |  Alessandro Mastellari (Avnet)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Wearables für die Diagnostik

Das IoMT verschmilzt auch mit dem Lifestyle-Sektor, indem Wearables, die bereits zur Überwachung der Fitness oder zum Aufzeichnen von Aktivitäten eingesetzt werden, nun auch Diagnosefunktionen bieten. Smartwatches lassen sich zum Beispiel mit einem intelligenten Sensor verbinden, um Daten über die Cloud zur Ferndiagnose an einen Arzt weiterzuleiten. 

Geräte, die dauerhaft den Blutzuckerspiegel messen (CGM; Kontinuierliche Glukosemonitore) sind schon seit einiger Zeit auf dem Markt, aber nun werden auch sie durch Anwendungen, die auf Smartphones oder Smartwatches laufen, intelligenter. Sobald die App über Bluetooth mit dem Sensor verbunden ist empfängt sie Daten vom CGM und zeigt dem Träger die Ergebnisse an. Die Ausgabe kann so einfach wie »gut« oder »schlecht« sein, oder komplexer, wenn der Patient mehr Informationen benötigt. Im Wesentlichen wird die komplexe Auswertung der Rohdaten von der Rechenleistung des Geräts übernommen, sodass der Träger genau die Informationen erhält, die er zur Bewältigung seines Zustands benötigt.  

Dies wird nun auf die automatische Insulinabgabe ausgedehnt. OpenAPS (Automatic Pancreas System) ist eine Open-Source-Initiative, die von einem Ehepaar ins Leben gerufen wurde, das einen CGM gehackt hat, um anhand dessen Daten eine Insulinpumpe mit einem Raspberry Pi zu steuern. In ähnlicher Weise gibt es inzwischen Beispiele für vernetzte Inhalatoren, die sich an Asthmatiker und Menschen mit COPD (chronisch obstruktive Lungenkrankheit) richten. 

Propeller ist ein führender Hersteller eines vernetzten Sensors, der zu fast jedem manuell betriebenen Inhalator passt, um die Gesundheit der Atemwege zu überwachen. Wie viele intelligente IoMT-Sensoren stellt er eine Verbindung zu einer App her, die auf einem Smartphone/Tablett läuft, um dem Patienten vollen Zugang auf die Daten und deren Bedeutung zu geben.

Mehrwert auf jeder Ebene 

Die Anwendungen sind repräsentativ für die Neuerungen im Gesundheitswesen. An der Stelle, an der das Internet auf den Patienten zu Hause trifft, besteht ein hoher Grad an Gestaltungsfreiheit. Natürlich müssen Anforderungen erfüllt werden wie zum Beispiel HIPAA (Health Insurance Portability and Accountability Act). Im Allgemeinen kann jedoch fast jede Embedded-Technologie verwendet werden, um innovative Fernüberwachungssysteme zu ermöglichen. 

In den genannten Fällen sind die entscheidenden Technologien die Sensoren und die Datenanbindung. In einigen Fällen kann der verwendete Sensor auf einer proprietären Technologie basieren, die vom oder für den Hersteller entwickelt wurde, um einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen. In vielen Fällen handelt es sich bei den verwendeten Sensoren jedoch um universelle Sensoren. In tragbaren Geräten können diese auf MEMS-Technologie basieren, die in extrem kleinen Gehäusen eine hohe Funktionsdichte bieten.

Da wir uns alle wohler fühlen, wenn wir uns aktiv mit unserer Gesundheitsfürsorge befassen und nicht »nur« Patient sind, sind wir auch bereit, eine größere Vielfalt an Geräten zu verwenden, die Funktionen bieten, die einst in den Aufgabenbereich eines professionellen Pflegedienstes fielen. Ein Gerät für die häusliche Gesundheitsversorgung, das diese Brücke schlägt, ist das Blutdruckmessgerät. Eine genaue Blutdruckmessung erfordert ein gewisses Maß an Kompetenz, über die die meisten Nichtmediziner einfach nicht verfügen. Diese Kompetenz lässt sich heute jedoch in ein tragbares Gerät integrieren. MEMS-basierte Drucksensoren sind hier ein wesentlicher Bestandteil der Lösung und umfassen eine Reihe von Produkten, die von Silicon Microstructures (einem Unternehmen von TE Connectivity) entwickelt wurden. Dazu zählen Sensoren, die nur einen 16-BitDigitalausgang bereitstellen, sowie Bausteine, die einen Digitalausgang und einen verstärkten Analogausgang bieten. Die Sensoren sind in Gauge-, Differential- und asymmetrischen Differential-Konfigurationen erhältlich.  

Ein wesentlicher Vorteil der MEMS-Technologie ist ihre geringe Größe, die es ermöglicht, eine große Anzahl von Funktionen auf kleinem Raum unterzubringen. Ein Beispiel ist das funkbasierte Multisensormodul SmartSense von Invensense (TDK). Neben den Sensorfunktionen enthält das Modul auch WLAN- und Bluetooth-Anbindung sowie eine wieder aufladbare Batterie. Das vollständig integrierte System (einschließlich Software) kann Druck, Feuchtigkeit, Temperatur, Orientierung, Vibration und magnetische Richtung messen. Als solches bildet es die Grundlage für Sturzmelder, Bewegungssensoren oder eine Umgebungserfassung für schutzbedürftige Personen in ihren Häusern oder Pflegeeinrichtungen. 

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