Start-up des Monats

Mit Daten Keimen auf der Spur

1. März 2022, 7:30 Uhr | GWA Hygiene
Tobias Gebhardt (l.) und Maik Gronau haben das Start-up 2015 gegründet.
Tobias Gebhardt (l.) und Maik Gronau haben das Start-up 2015 gegründet.
© GWA Hygiene

GWA Hygiene digitalisiert die Krankenhaus­hygiene

Junge Gründer, große Ideen – Start-ups trauen sich das, wovor große Unternehmen oft Angst haben. Sie machen einfach. Von der Diabetes-App über intelligente Prothesen bis hin zu Pflegerobotern: Kein Vorhaben scheint zu groß oder gar abwegig. 

Wir möchten einige dieser Köpfe und ihre Ideen genauer vorstellen. Dieses Mal: GWA Hygiene. Das Unternehmen aus Stralsund entwickelt digitale Lösungen zur Infektionsprävention und Arbeitserleichterung im Gesundheitswesen.

Funktionsweise NosoEx
Funktionsweise NosoEx
© GWA Hygiene

Wie lautet euer Elevator Pitch?

Jedes Jahr infizieren sich 400.000 – 600.000 Patienten während des Krankenhaus-Aufenthalts in Deutschland. Bis zu 90% der Keime werden über die Hände übertragen, allerdings wird nur jede zweite notwendige Händedesinfektion tatsächlich durchgeführt. Unser Händehygiene-Monitoring NosoEx erfasst anonymisiert das Desinfektionsverhalten. Hygiene-Teams erhalten somit Daten zu potenziellen Infektionsrisiken und können gezielt Handlungsmaßnahmen ergreifen. 

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Mitgründer Maik Gronau lag 2013 selbst im Krankenhaus. Dabei beobachtete er, dass manch ein Klinikmitarbeiter sich häufiger, manch einer weniger und manch einer gar nicht die Hände desinfiziert. Es kam die Frage auf, ob das jeder machen kann, wie er möchte und ob es entsprechende Messmethoden gibt. Diese Frage wurde unzureichend beantwortet und war somit die Geburtsstunde von NosoEx. 

Was war euer größter Erfolg?

Wir konnten 2018 namhafte Venture Capitalists wie die MIG Fonds und den High-Tech Gründerfonds und kürzlich die Firma Dräger als strategischen Investor gewinnen. Darüber hinaus ist in 2019 eine Übernahme des Wettbewerbers HyHelp erfolgt. Unser NosoEx-System wurde bereits in über 10 Ländern installiert. Für die Internationalisierung bestehen Vertriebspartnerschaften zum Beispiel mit B. Braun und Kiilto.  

Und der größte Rückschlag?

Gescheiterte Verhandlungen mit Kooperationspartnern und Investoren. Im Nachhinein betrachtet haben sich aber tolle Alternativen aufgetan. 

Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Daten sind für uns der Schlüssel für das Wohlbefinden der Patienten und der Mitarbeiter und zentral für die Wirtschaftlichkeit des Krankenhauses. Wir werden weitere digitale Lösungen anbieten, die einerseits zur Infektionsprävention beziehungsweise Patientensicherheit beitragen und andererseits Klinikmitarbeiter bei ihren Prozessen unterstützen. Wir möchten zur Arbeitserleichterung beitragen, damit das Personal weniger sekundäre Tätigkeiten (zum Beispiel Dokumentation, Suche) vollziehen muss, sondern den Fokus auf die primäre Tätigkeit, die Patientenbehandlung, legen kann. Folglich wird auch die Beachtung der Hygiene-Richtlinien stärker gegeben sein. 

Wie sieht die Medizin der Zukunft aus?

Krankenhäuser sind heutzutage stark durch ineffiziente Prozesse geprägt. Wir glauben, dass der Zugang zu Informationen zukünftig enorm vereinfacht wird. Eine krankenhausweite Suchmaschine für alle notwendigen Informationen wird den Klinikmitarbeitern die Arbeit erleichtern und somit die Patientengenesung verbessern. Dies setzt intelligente und automatisierte Prozessanalysen voraus. Dafür werden weitere Sensoren in das Krankenhaus Einzug halten. Das Smart Hospital wird Realität.

Fakten zum Start-up

Name GWA Hygiene GmbH
Gründung 2015
Kunden 30
Mitarbeiter 35
Finanzierung Venture Capital (Dräger, MIG Fonds, High-Tech Gründerfonds, Business Angels)
Homepage nosoex.com

 


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