Medizin 4.0/IoT

Neue Businessmodelle dank RFID

10. Dezember 2020, 10:42 Uhr   |  Frank Linti

Neue Businessmodelle dank RFID
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RFID-Tags (Symbolbild)

So realisiert Schreiner ProTech gemeinsam mit seinen Kunden smarte Applikationen

Die deutsche Medizintechnikbranche exportiert jährlich Waren im Wert von über 26 Milliarden Euro und ist damit einer der größten Exportbereiche Deutschlands. Die Anforderungen an digitale Prozesslösungen und die immer höheren Dokumentationsanforderungen sind gerade in dieser Industrie eine große Aufgabe. Zudem sind viele innovative Hersteller immer mehr von Plagiaten bei Verbrauchsmaterial oder Ersatzteilen betroffen.

Die vorrangige Fokussierung vieler Medizintechnikhersteller auf den Verkauf von Maschinen und Geräten hat in der Vergangenheit Investitionen in zusätzliche intelligente, digitale Businessmodelle sowohl in bestehenden als auch in neuen Healthcare Märkten in den Hintergrund treten lassen. Deshalb liegt in der Medizintechnik das Potenzial der nächsten zehn Jahre in zusätzlichen digitalen Geschäftsmodellen: Mit der Verfügbarkeit von IoT-basierten Komponenten, Materialien und Dienstleistungen kann heute über völlig neue Geschäftsmodelle nachgedacht werden.

IoT-basierte Businessmodelle in der Medizintechnik

IoT steht für »Internet of Things « und beschreibt die Möglichkeit, jedem Objekt weltweit eine eigene Adresse zuzuordnen. Dies funktioniert wie bei einer Internetadresse mit dem einzigen Unterschied, dass keine echte Webseite hinter der Adresse liegt, sondern ein eindeutiger Datensatz. Mit dieser Adresse kann das Objekt sicher und individuell aufgerufen, eingebucht, angesprochen und zusammen mit digitalen Daten verwaltet werden. Im klassischen Handel sind mit Barcode gekennzeichnete Produkte lediglich in der Lage, Daten über ihre Beschaffenheit – wie Inhalt, Marke oder Größe – zu kommunizieren. Das macht es möglich, die Buchung an der Kasse preislich zu definieren. Jedoch steht keine spezifische Information zu dem eigentlichen Objekt zur Verfügung. Alle Artikel einer Version sind gleich und dadurch nicht in der Lage, individuelle oder sogar variable Informationen zu kommunizieren. 

Die RFID-Technologie ermöglicht es, intelligente Materialien nicht nur mit einer eigenen Nummer zu versehen, sondern mit einem Chipspeicher zu kombinieren. So kann genau diese Lücke geschlossen und eine optimale Basis für neue, innovative Businessmodelle geschaffen werden. Zusätzlich bietet die Nutzung der mittlerweile in allen NFC-fähigen Smartphone Systemen nutzbaren NFC-Chips die Möglichkeit, auch Privatpersonen in diese Modelle miteinzubinden. Für Hersteller ergeben sich so nicht nur neue, sondern vor allem sichere Businessmodelle.

Sichere vollautomatisiere Echtzeit-Dokumentation

Dank der Ausstattung der Materialen und Geräte mit RFID können Hersteller eine lückenlose Dokumentation über die Prüfung und die durchlaufenen Prozessabläufe mit einer Freischaltung des Objekts durch die Kunden kombinieren und so eine eindeutige und sichere Nutzung elektronisch und in Echtzeit dokumentieren. Durch die intelligente Nutzung einer zentralen Datenbank sind Auswertungen und Übersichten für Behörden oder Dienstleister jederzeit verfügbar.

Originalitätsschutz und Zusatzinformationen

Vor allem Unternehmen, die bislang wenig Kontakt zum Endkunden hatten, können schnell und ohne viel Aufwand eine direkte Kommunikation aufbauen. Zusätzlich ist es möglich, ergänzende Produkte und Bestelloptionen mit zu vermarkten. Der Verbraucher liest das Produkt mittels eines NFC/RFID-Labels mit dem Smartphone ein und erhält eine sichere Information, dass es sich um ein Original handelt. 

Dazu kann er neue Produkte direkt auf der Webseite nachbestellen oder zusätzliche Informationen und Möglichkeiten zu seinem Produkt in seiner Landessprache aufrufen. Dieses Businessmodell sichert dem Unternehmen langfristig Marktanteile und bindet die Kunden nachhaltig an das Unternehmen. Durch den direkten Link in den eigenen Webshop können weitere Zusatzleistungen exklusiv mitvermarktet werden.

Prozesssicherheit im Materialeinsatz

In vielen Fällen werden Materialien oder Objekte in Maschinen zu lange genutzt, was den Verschleiß der Maschine erhöht. Durch falsches Einsetzten kann sogar die Sicherheit im Betrieb beeinflusst werden. Intelligente Materialien, die durch eine Kommunikation mit dem Gerät in der Lage sind, den Zeitraum der Nutzung, die Menge der Verfallszyklen oder die richtige Nutzung im richtigen Prozess freizugeben, bieten denn Nutzern einen erheblichen Vorteil.

Durch die Kommunikation zwischen Material und Gerät können Fehler beim Einsatz oder hoher Verschleiß erheblich reduziert werden. Dieses Businessmodell erhöht die Sicherheit und damit auch die Akzeptanz bei den Kunden. In vielen Bereichen, die einen hohen Sicherheitsbedarf beim Einsatz und bei der Verarbeitung diverser Materialien vorgeben, kann zudem eine lückenlose Dokumentation erreicht werden. Damit lassen sich sowohl Kosten bei Erfassung, Verwaltung und sogar bei der Versicherung einsparen.

Potential von Smart Services nutzen

Dem Service kommt vor allem bei Lösungen für die Industrie eine wichtige Rolle zu, da durch ihn nachhaltig Umsätze generiert werden können. Dabei bieten vor allem digitale »Smart Services« ein enormes Potential, neue Geschäftsmodelle rund um bestehende Produkte zu positionieren. So können Servicedienstleister mittels NFC/RFID-Label direkt Augmented-Reality-Videos zur Montage oder zum Einstellen einer Einheit öffnen. Das Smartphone erkennt das Produkt und zeigt dann direkt unter Einbeziehung des Objekts vor Ort, wie es zu justieren oder zu parametrisieren ist. 

Der Servicedienstleister kann auch über eine Bestandsausbuchung der Materialien an der Maschine automatisch über den Mindestbestand der Materialien informiert werden, wodurch eine regelmäßige Kontrolle durch den Kunden nicht mehr nötig ist. Der Servicedienstleister kann somit garantieren, die Bestände auf dem vereinbarten Bestandslevel zu halten.  Das spart dem Kunden Zeit und dem Servicedienstleister formellen Aufwand. Zudem sichert der »On Shelf Service«  eine nachhaltige Zusammenarbeit und dadurch dauerhafte Umsätze.

Abrechnung in Nutzungszyklen

Die Abrechnung erfolgt meist über monatliche Tarife oder Jahreskontingente. Durch die automatische Nachbestellung wird garantiert, dass immer genügend Material zur Verfügung steht. So entsteht auch bei der Abrechnung kein Verwaltungsaufwand. Am Jahresende wird einfach der tatsächliche gegenüber dem geschätzten Verbrauch abgerechnet.  

Das Gerät bucht die RFID-bestückten Einheiten und sendet die Tracks direkt in eine zentrale Datenbank. Der Nutzer muss sich um nichts kümmern und nutzt das Modell dadurch intensiver. Die Codes und Lieferkontakte des Systems sind gegen Hacker-Angriffe geschützt.  Der Anbieter hat den Vorteil, eine exakte Übersicht über die Nutzung und Struktur seiner Kunden zu haben und dem Kunden so zusätzliche Modelle individuell anbieten zu können.

Der Autor

Frank Linti ist Business Development Manager RFID bei Schreiner ProTech
 

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