Messtechnik/Sensorik

Patientenmonitoring außerhalb des Krankenhauses

19. August 2020, 14:00 Uhr   |  Dev Mandya (Renesas)

Patientenmonitoring außerhalb des Krankenhauses
© Renesas

Patientenüberwachungssysteme sind entscheidend für die künftige Gesundheitsversorgung

Die Zukunft liegt in der mobilen Patienten-Fernüberwachung

Patientenüberwachungssysteme zählen zu den wichtigsten Errungenschaften der Weiterentwicklung des Gesundheitswesens. Sie verbessern die Patientenversorgung und medizinische Leistung. Die Beurteilung des Patientenzustands oder anderer medizinischer Parameter des Patienten ist für fundierte medizinische Entscheidungen unerlässlich. Das gilt sowohl innerhalb als auch außerhalb des Krankenhauses. 

Patientenüberwachungssysteme lassen sich auf verschiedene Weise klassifizieren. Gängige Typen sind gemessene Parameter und medizinische Anwendungsfälle. Die Klassifizierung auf der Grundlage der gemessenen Parameter unterteilt die Überwachungssysteme in zwei große Kategorien: Einzelparameterüberwachung und Multiparameterüberwachung. Während Einzelparametersysteme nur einzelne physiologische Signale messen, lassen sich mit Multiparameter-Überwachungssystemen eine Kombination von Vitaldaten wie EKG, Atemfrequenz, Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Gehirnströme, Narkosemittelkonzentration und Körpertemperatur aufnehmen und beobachten.  

Aufbau und Infrastruktur von Überwachungssystemen 

Ein typisches Patientenüberwachungssystem besteht aus einem oder mehreren Sensoren, Verarbeitungskomponenten, Bildschirme und Kommunikationsverbindungen zur dezentralen Anzeige oder Aufzeichnung der Ergebnisse über ein Überwachungsnetzwerk. 

Infrastruktur eines Patientenüberwachungssystems
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Infrastruktur eines Patientenüberwachungssystems

Auf der Kommunikationsebene sind mehrere Patientenüberwachungseinheiten vernetzbar. Das heißt, sie können ihre Ausgangsdaten an eine zentrale Pflegestation senden, wo ein einzelner Mitarbeiter mehrere Patientenmonitore gleichzeitig überwachen und entsprechend reagieren kann. Organisationen wie IEEE und HL7 haben verschiedene Gesundheitsstandards entwickelt, um die Integration physiologischer Daten aus Patientenüberwachungsnetzwerken in die elektronischen Patientenakten der Krankenhäuser und digitale Abrechnungssysteme zu erleichtern.

Von leitungsgebundener zu kabelloser Anbindung

Gesundheitsdienstleister sind weiterhin auf der Suche nach Produkten, die einer wachsenden Patientenpopulation ein höheres Maß an Patientenversorgung bieten können. Der Übergang von der kabelgebundenen zur drahtlosen Technologie erleichtert Sanitätern, Ärzten und medizinischem Personal die Nutzung eines freihändigen, drahtlosen Geräts zur Überwachung der Vitalparameter eines Patienten. Das schafft eine sicherere Umgebung für Notärzte und Patienten. Die Technologie ermöglicht zudem eine Echtzeitverbindung zwischen der Notaufnahme und dem medizinischen Personal vor Ort. 

Patientendaten lassen sich beispielsweise über ein dezentrales System vom Krankenwagen ins Krankenhaus übertragen, um Ärzten, Krankenschwestern und anderem Personal vor dem Eintreffen eines Patienten detaillierte Informationen über dessen Zustand zu übermitteln. Ein großer Vorteil der Wi-Fi-basierten Überwachung besteht darin, dass sie es Krankenhäusern ermöglicht, die bestehende IEEE 802.11 (Wi-Fi) Wireless-Netzwerkinfrastruktur und Investitionen zu nutzen. 

Systeme für die Patienten-Fernüberwachung (RPM)

Setup für die Fernüberwachung eines Patienten
© Renesas

Setup für die Fernüberwachung eines Patienten

RPM (Remote Patient Monitoring) nutzt digitale Technologien, um medizinische und andere Gesundheitsdaten von Einzelpersonen an einem Ort zu sammeln und elektronisch sicher an Gesundheitsdienstleister an einem anderen Ort zur Beurteilung und als Grundlage für Empfehlungen zu übermitteln. Das RPM-Konzept ist auf die Verlagerung der Versorgung vom Krankenhaus in das Zuhause eines Patienten ausgelegt. Ein typisches Patienten-Fernüberwachungssystem beinhaltet eine Gesundheitszentrale, die als Gateway dient, um Vitalparameter zu sammeln und an den Gesundheitsdienstleister zu übertragen. 

Der Markt für RPM-Anwendungen befindet sich weiterhin in einem Entwicklungsstadium. Während das Wachstum spürbar ist, ist die allgemeine Verbreitung und Akzeptanz dieses Konzepts im Vergleich zur Gesamtzahl chronisch kranker Patienten immer noch gering. Die Fernüberwachung kommt derzeit hauptsächlich in Nordamerika und Westeuropa zum Einsatz, wo die Gesundheitsdienstleister Anreize haben, die Rückführungsrate in Krankenhäuser niedrig zu halten.

Quelle: D. Mandya: Entscheidend für die Gesundheitsversorgung. medical design 4/2020, S. 22 – 25 (Hier geht’s zum ePaper)

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