Schwerpunkte

Henkel

Schutz von medizinischen Komponenten

02. Juni 2021, 07:00 Uhr   |  Henkel

Schutz von medizinischen Komponenten
© Henkel

Niederdruckvergussvorgang: Offenliegende Elektronikteile werden in eine vorgefertigte Form eingesetzt.

Henkel-Niederdruckspritzgussverfahrens in der Medizintechnik

Das Niederdruckspritzgussverfahren (Low Pressure Molding - LPM) von Henkel, das hauptsächlich auf Polyamid-Schmelzklebstoffen basiert, wird zunehmend für den Schutz von elektronischen Komponenten in den Bereichen Medizintechnik, Energieerzeugung und Industrieautomation, Heizung-, Lüftungs- und Klimatechnik sowie Beleuchtungstechnik eingesetzt. Dabei bietet die Technologie laut Unternehmen zahlreiche wirtschaftliche, prozessgesteuerte, konstruktive und ökologische Vorteile gegenüber traditionell eingesetzten Methoden, wie dem Verguss von elektronischen Komponenten mit Zwei-Komponenten-Gießharzen oder dem Hochdruckspritzguss.
Vorteile bei der Verarbeitung

LPM wurde von Henkel vor über 30 Jahren erfunden (damals unter dem Namen Macromelt Molding). Dabei wird die schnelle Umspritzung empfindlicher Bauteile mit hauptsächlich Polyamid-basierten Schmelzklebstoffen in Kombination mit entsprechenden Verarbeitungsanlagen und kostengünstigen Spritzwerkzeugen ermöglicht. Da die Technomelt Produkte nicht abrasiv sind und es im Vergleich zu herkömmlichem Spritzguss mit deutlich geringerem Druck eingespritzt wird, sinkt das Risiko der Beschädigung von empfindlichen Bauteilen während des LPM Prozesses erheblich.

Schutz elektronischer Komponenten

Die Technologie eignet sich insbesondere für den Schutz von empfindlichen Bauteilen, zum Beispiel Leiterplatten oder Stecker-Kabelverbindungen. Technomelt Schmelzklebstoffe sind dabei widerstandsfähig, jedoch gleichzeitig flexibel, was sie besonders geeignet für diese Anwendungen macht.

Das Material bietet eine hohe elektrische Isolierung, ist gleichzeitig gegenüber einer großen Bandbreite von chemischen Stoffen, Temperaturzyklen und gegen Vibrationen resistent. Die Bauteile sind somit vollständig gegen Einwirkungen von außen wie eindringendes Wasser oder Staub sowie UV-Langzeiteinwirkung geschützt.

Michael Otto, Key Account Manager im Bereich Engineering Adhesives für Niederdruckspritzgussverfahren bei Henkel erklärt: »Im Gegensatz zu herkömmlichen Zwei-Komponenten-Gießharzen sind die beim LPM Verfahren eingesetzten Polyamide Thermoplaste.« Die Zykluszeiten seien deutlich kürzer und es werden keine flüchtigen Bestandteile freigesetzt. Während es bei einem herkömmlichem Vergussverfahren von mehreren Stunden bis Tagen bis zur vollständigen Aushärtung dauern kann, soll mit dem Technomelt Low Pressure Molding Verfahren eine Zykluszeit von wenigen Sekunden erreicht werden.

Hohe Nachhaltigkeit und effizienter Materialeinsatz

Technomelt Schmelzklebstoffe von Henkel erfüllen die europäische RoHS (Restriction of Hazardous Substances)-Direktive sowie die REACH (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals)-Vorschriften. »Ein weiterer wichtiger Umweltaspekt dieser Polyamide, der zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist die Tatsache, dass sie großenteils biobasiert sind, das heißt bis zu 80 % ihrer Inhaltsstoffe stammen aus erneuerbaren pflanzlichen Quellen«, fügt Otto hinzu.

Henkel bietet laut eigener Aussage eine große Bandbreite an Technomelt Produkten für das LPM Verfahren, deren Rezeptur für spezifische Anwendungen entwickelt wurde. So haben einige eine besonders gute Wärmebeständigkeit, während andere eine erhöhte Zähigkeit aufweisen oder auf bestimmten Substraten besonders gut haften.

Ein Vorteil des LPM Verfahrens gegenüber herkömmlichen Vergusssystemen sei die wesentlich größere Wirtschaftlichkeit beim Materialverbrauch. Bei herkömmlichen Vergussverfahren wird normalerweise das zu schützende Bauteil in ein Gehäuse platziert, und so lange gefüllt, bis alle Komponenten abgedeckt sind. Beim Technomelt LPM Verfahren wird das Bauteil in ein genau definiertes Werkzeug eingelegt und dieses dann mit Technomelt gefüllt. Dadurch werden die Komponenten mit möglichst geringem Masseeinsatz geschützt. Das bedeutet, dass man dabei beispielsweise der Topologie einer Leiterplatte folgt. Auch sind hier Mehrkavitätenwerkzeuge möglich, um gleichzeitig mehrere Bauteile zu umspritzen.

Die Formen werden in der Regel aus Aluminium gefertigt, deshalb ist die Herstellung deutlich günstiger als bei Stahlwerkzeugen für den „klassischen“ Kunststoffspritzguss. In den letzten Jahren wurden noch effizientere Methoden aus dem Bereich der Additiven Fertigung für die Formenherstellung entwickelt (auch als 3D-Druck bekannt).

Wertschöpfung für die unterschiedlichsten Märkte

Noch nie war der Bedarf an einem effizienten Schutz von Elektronikteilen durch das LPM Verfahren so groß wie heute. Im Bereich der medizinischen Versorgung beispielsweise werden durch die Patientendiagnostik und Echtzeit-Messungen neue elektronische Geräte wie Wearables benötigt, die innerhalb und außerhalb von medizinischen Einrichtungen arbeiten können. Das Technomelt LPM Verfahren bietet eine Antwort auf all diese Trends.

Jason Spencer, Manager im Bereich Medical Market Segment bei Henkel, sagt: »Patientendiagnosen und Echtzeit-Messungen erfordern neue elektronische Geräte wie Wearables, die innerhalb und außerhalb von medizinischen Einrichtungen funktionieren. Wearables für die Überwachung von Vitalparametern werden im Alltag eines Patienten immer wichtiger, da auch der Gesundheitsbereich immer digitaler wird.«

Für gewisse medizinische Anwendungen kann Technomelt auch in Bereichen eingesetzt werden, die über den Schutz von elektronischen Komponenten hinausgehen. So eignet es sichbeispielsweise für die Befestigung von flexiblen Schläuchen zur Versorgung mit Flüssigkeiten, da es die Schläuche nicht verdreht und einen dauerhaft dichten, Anschluss bietet. Speziell für diesen Zweck hat Henkel Loctite PA 6951 entwickelt. Das Produkt wurde gemäß der Henkel Richtlinien getestet, die auf der ISO 10993, der Normenreihe zur Biokompatibilität, beruhen. Auf Nachfrage können die Zertifikate eingesehen werden. Es ist geplant, hier weitere Technomelt Produkte zu qualifizieren. (me)

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Verwandte Artikel

Henkel AG & Co.KGaA