Messevorbericht Medica/Compamed 2019

Teil 4: Leise Atemhelfer für die Intensivmedizin

5. November 2019, 11:00 Uhr | Medizin+elektronik
Prototyp des Thorax-Monitoring
Prototyp des Thorax-Monitoring
© Fraunhofer IPA

Trendbericht | Beatmungsgeräte kommen dann zum Einsatz, wenn der nur eingeschränkt oder gar nicht mehr eigenständig atmen kann. Zwar gibt es an deren Einsatz auch immer wieder Kritik, umso wichtiger erscheint es, dass die Geräte sicher funktionieren und den Patienten nicht behindern oder stören.

 

Save the Date | Vom 18. bis 21. Novemeber 2019 versammelt sich die gesamte Wertschöpfungskette der Medizintechnik auf dem Düsseldorfer Messegelände. Das Ausstellungsangebot des Messeduos Medica & Compamed umfasst u.a. die Bereiche Elektromedizin/Medizinteechnik, elektronische Komponenten sowie Werkstoffe.

 

Für die intensivmedizinische Pflege von Frühchen ist die künstliche Beatmung aufgrund unterentwickelter Lungen in einigen Fällen notwendig. Dabei können verschiedene Komplikationen auftreten: Ein Volutrauma entsteht, wenn das Beatmungsgerät zu viel Luft in die kleine Lunge presst. Zu einem Barotrauma kommt es, wenn der Apparat Luft mit zu hohem Druck einleitet, besonders wenn das Frühchen eigentlich gerade ausatmen möchte. Um beides zu vermeiden, haben sich Ärzte bisher mit einer Röhre durch Mund oder Nase beholfen, durch die beatmet wird. Sie lässt Platz in der Luftröhre, damit überschüssige Luft entweichen kann. Leider ist das nicht immer besonders schonend und auf die sich schnell ändernden Bedürfnisse der kleinen Patienten können Ärzte nur manuell reagieren. Ein automatisch regelbares Beatmungssystem wäre wünschenswert.

Thorax-Monitoring sorgt für sanfte Beatmung

Jan Ringkamp und seine Kollegen von der Projektgruppe für Automatisierung in der Medizin und Biotechnologie PAMB des Fraunhofer IPA (Medica, Halle 10/Stand G05) arbeiten deshalb an einem sanfteren Verfahren. Thorax-Monitoring heißt der kleine Apparat, den die Forscher entwickelt haben. »Im Prinzip ist das ein Messgerät, das erkennt, ob ein künstlich beatmeter Patient gerade ein- oder ausatmen möchte«, erklärt Ringkamp. Damit sei ein Beatmungsgerät in der Lage, sich ohne Verzögerung an die Wünsche des Patienten anzupassen.

Das Thorax-Monitoring verwendet zwei Antennen, die auf dem Brustkorb des Patienten angebracht sind. Die eine sendet eine elektromagnetische Welle aus, die andere empfängt sie. Dabei machen es sich die Wissenschaftler zunutze, dass Muskeln, Fett und Gewebe andere dielektrische Eigenschaften besitzen als die Atemluft in der Lunge. Klingt kompliziert, ist aber eigentlich ganz einfach: Beim Einatmen füllen sich die Lungenflügel mit Luft und dehnen sich aus. Der veränderte Luftanteil im Thorax führt dazu, dass die elektromagnetische Welle schnell vorankommt. Beim Ausatmen ist es umgekehrt: Die Lungenflügel fallen in sich zusammen, die elektromagnetische Welle kommt im Gewebe langsamer vorwärts.
Tester für mobile Beatmungsgeräte

Das Citrex H5 von IMT.Analytics (Medica, Halle 11/ Stand D68) ist eine »all-in-one Lösung« zur Messung und Kalibrierung von Anästhesie- und Beatmungsgeräten für den mobilen Einsatz von Medizintechnikern und unabhängigen Service-Dienstleistern. Das Gerät überzeugt durch seine laut Hersteller übersichtliche und individuell anpassbare Benutzer-Oberfläche: Mit dem User Interface und der 4.3“ Bildschirmfläche hätten Techniker jederzeit den optimalen Blick über Einstellungen und Messwerte: Die 26 messbaren Beatmungs-Parameter lassen sich persönlich anordnen oder hervorheben.

Weltweit sind unterschiedliche Beatmungsgeräte in Betrieb. Deshalb hat das Citrex H5 geführte Prüfabläufe für Messgeräte verschiedener Hersteller integriert. Die App soll Anwendern bei der täglichen Arbeit unterstützen und helfen, Fehler zu vermeiden. Die Prüfresultate können sie speichern oder ausdrucken und ein Prüfprotokoll als Nachweis ablegen. Die Software wird vom Hersteller laufend weiterentwickelt. Das Gerät sei mit den über WLAN installierbaren Updates immer auf dem neusten Stand.

Radiallüfter zur Intensivbeatmung und Schlafapnoe

Atemaussetzer im Schlaf (Schlafapnoe) betreffen in Deutschland viele Menschen über 40 Jahren. Die Zahl der betroffenen liegt im zweistelligen Prozentbereich, das Verhältnis Männer zu Frauen etwa 5 zu 1, Tagesmüdigkeit und Aufmerksamkeitsdefizit sind die offensichtlichen Auswirkungen der Krankheit. Unbehandelt kann sie aber auch zu Bluthochdruck, Herzinsuffizienz Herzrhythmusstörungen oder Herzinfarkt führen. Eine bewährte Therapieform unterstützt die körpereigenen Atmungsreflexe durch geregeltes Einblasen von Luft in die Lungen. Der Radiallüfter RV45 von ebm-papst (Compamed, Halle 8b/ Stand H27) unterstützt die Atmung durch die geregelte Zufuhr von frischer Luft. Der Kleinlüfter eignet sich auch gut für langen Akkubetrieb, beispielsweise für ein mobiles Schlaftherapiegerät.

Vorteile der proximalen Sensorik

Für die inspiratorische, exspiratorische und proximale Flussmessung sowie das Gasmixing in der Beatmung und Anästhesie hat Sensirion (Compamed, Halle 8a/ Stand 19.6) die Flow-Plattform SFM3xxx entwickelt. Der Sensorhersteller bietet damit für sämtliche Flussmessungen den passenden Sensor. Gemeinsam sind den Sensoren der Plattform Merkmale wie eine hohe Genauigkeit und Robustheit. Alle Sensoren sind vollständig kalibriert und temperaturkompensiert und messen Flussraten von Luft und anderen nicht-aggressiven Gasen hochpräzise und bidirektional. Zudem überzeugen sie durch einen sehr geringen Druckabfall und eine schnelle Signalverarbeitungszeit.

 

Weitere Aussteller zum Thema

  • DeVilbiss (Medica, Halle 11/ Stand J39)
  • Dürr Technik (Medica, Halle 11/ Stand E74)
  • Löwenstein (Medica, Halle 11 Stand B39)
  • Analog Microelectronics (Compamed, Halle 8a/ Stand M04)
  • First Sensor (Compamed, Halle 8a/ Stand L14)

 

Schlagworte: Medica, Compamed, Beatmungsgeräte

Genannte Firmen: IMT Analytics, Sensirion, ebm-papst, Fraunhofer IPA

Mobile Beatmungsgeräte-Tester Citrex H5
Mobile Beatmungsgeräte-Tester Citrex H5
© IMT Analytics

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