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Medizinroboter

Kollege Roboter assistiert im OP

27. Mai 2021, 08:43 Uhr   |  DEKV

Kollege Roboter assistiert im OP
© DLR/A. Beier

Telechirurgiesystem MiroSurge (Symbolbild)

Digitalisierung, Robotik und technische Innovationen in Kliniken

Patientinnen und Patienten qualifiziert zu versorgen, ist der Anspruch moderner Krankenhäuser. Einen wichtigen Beitrag dazu leisten modernste Verfahren und eine innovative technische Ausstattung bei Operationen. Sie ermöglichen es, an empfindlichen Stellen wie der Wirbelsäule oder in der Nähe der Aorta präzise und sicher zu arbeiten und dabei minimal-invasive Techniken zu nutzen.

Davon profitieren die Patientinnen und Patienten gleich mehrfach: Die Sicherheit bei den Eingriffen steigt, die Dauer der Operation wird verkürzt und die Wunden sind kleiner, wodurch das Infektionsrisiko verringert wird und der Heilungsprozess schneller erfolgen kann. Für die Operateure bedeutet die Unterstützung durch Kollege Roboter zusätzliche Sicherheit bei der Positionierung der Schrauben und durch die Bildgebung einen detaillierteren Blick auf das Operationsgebiet. Zum Einsatz kommen diese innovativen und schonenden Verfahren beispielsweise in der Wirbelsäulenchirurgie oder in der Thoraxchirurgie.

Mehr Sicherheit und Präzision bei Wirbelsäulen-OPs

Die Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau ist eine von vier Kliniken bundesweit, die eine roboter-assistierte Wirbelsäulenchirurgie mit dem Excelsius GPS anbieten kann. Dieses Verfahren kann bei knapp der Hälfte der Operationen aufgrund von Wirbelfrakturen, Verschleißerscheinungen und degenerativen Veränderungen in der Wirbelsäule eingesetzt werden. Es unterstützt die erfahrenen Operateure bei der Platzierung von Schrauben, die Prothesen im Körper verankern.

Dazu liefert es fortlaufend plastische Darstellungen (3D-Bilder). Dabei werden alle Bereiche, auch die Übergänge der verschiedenen Abschnitte der Wirbelsäule, beispielsweise zwischen Brust- und Lendenwirbelsäule, durch die innovative Navigationsplattform in neuer Qualität dargestellt. Während des Eingriffs können in Echtzeit wichtige Informationen über die Lage der Schrauben in den Wirbelkörpern und die Einstellung der Gelenkstabilität gewonnen werden.

Universalgenie für Präzision

Das DaVinci-Operationssystem unterstützt Operateure am Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB) seit mehr als zehn Jahren. Es hat sich als fester Bestandteil der minimal-invasiven Präzisionschirurgie im EvKB etabliert. Ausgestattet mit modernster Technologie skaliert, filtert und übersetzt das DaVinci-Chirurgiesystem die Handbewegungen des Operateurs an der Konsole in hochpräzise Bewegungen der Instrumente. Diese können in mehr Freiheitsgraden als die menschliche Hand bewegt werden und bieten damit einen besseren Zugang zur Eingriffsstelle. Die Unterstützung durch Kollege Roboter ist nicht nur in der Urologie, der Bauchchirurgie sowie bei Eingriffen bei Kindern eine wertvolle Hilfe.

Auch in der Thoraxchirurgie unterstützt sie beispielsweise bei Eingriffen aufgrund von Krebserkrankungen, gutartigen Tumoren oder bei Operationen am Zwerchfell. Auch das Diakonie-Klinikum Stuttgart setzt seit knapp fünf Jahren auf diese Technologie und führt jährlich über 680 roboter-assistierte Eingriffe im Bereich der Urologie und der Kolorektalchirurgie durch. Patientinnen und Patienten profitieren von der modernen Technik, da weniger Komplikationen auftreten und seltener Korrekturoperationen notwendig werden. Darüber hinaus werden bessere funktionelle Ergebnisse erzielt, wie beispielsweise die Erhaltung der Kontinenz, und die Wundheilungszeit ist im Vergleich zu einer offenen OP verkürzt.

Ohne Menschen geht es dennoch nicht

»Das sind nur drei Beispiele von vielen, wie moderne Hightech-Medizin an Krankenhäusern zum Einsatz kommt«, sagt Christoph Radbruch, Vorsitzender des Deutschen Evangelischen Krankenhausverbandes (DEKV). Ein komplexer OP-Roboter wurde beispielsweise im Jahr 2018 in 15 evangelischen Krankenhäusern bei 2.433 Eingriffen eingesetzt. Insgesamt verfügten 17 Häuser über OP-Roboter, die bei mehr als 11 Prozent der 23.795 im Jahr 2018 durchgeführten Operationen zum Einsatz kamen.

Doch moderne Technik allein reiche für eine qualifizierte Versorgung der Patientinnen und Patienten nicht aus. »Ebenso wichtig ist der Faktor Mensch«, so Radbruch. Explizit gehte es dabei um die Zuwendung, die Patientinnen und Patienten durch die Mitarbeitenden jeden Tag erfahren. »Diese Kombination aus innovativer Technik und Zuwendung meinen wir, wenn wir davon sprechen, Patienten qualifiziert zu versorgen.« (me)

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