Auf Umwegen

Schmerzlinderung über die Wirbelsäule

28. Januar 2020, 09:01 Uhr   |  Robert Stanton

Schmerzlinderung über die Wirbelsäule
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3D-Aufnahem einer Wirbelsäule (Symbolbild)

Fachbeitrag | Schmerz ist eine wichtige sensorische Komponente, gefolgt von einer umfassenden Verarbeitung durch das gesamte Nervensystem. Moderne Verfahren lindern nicht den Schmerz, sondern verändern wie sie der Patient wahrnimmt. Das beginnt oft weit weg von der betroffenen Stelle im Rückenmark.

Das Leben mit chronischen neuropathischen Schmerzen infolge eines Unfalls oder Alterns kann im täglichen Leben zu einer Herausforderung werden. Typische Ursachen für diese Art von Schmerzen sind der Nervendruck oder Nervenschäden nach Operationen oder Traumata, Virusinfektionen, vaskuläre Missbildungen, Alkoholismus, neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes. Neuropathischer Schmerz kann auch eine Nebenwirkung bestimmter Medikamente sein. Manchmal kann auch eine andere gesundheitliche Ursache wie ein Tumor oder zugehörige Behandlungen wie eine Chemotherapie der Grund sein.

Chronische neuropathische Schmerzen treten häufig auf und betreffen bis zu acht Prozent der europäischen Bevölkerung, fünf Prozent davon sehr stark. Das Hauptziel bei der Behandlung neuropathischer Schmerzen besteht darin, die Schmerzen so gut wie möglich zu lindern und Nebenwirkungen zu minimieren. Patienten mit chronischen neuropathischen Schmerzen können an eine Schmerzklinik überwiesen werden, um deren Zustand näher zu untersuchen und Ratschläge für das Leben mit Schmerzen zu erhalten.

Die richtige Therapie

Das Nervensystem ist an allen Aktionen beteiligt, die der Körper unternimmt – von der Regulierung der Atmung über die Steuerung der Muskeln bis hin zum Erkennen von Wärme und Kälte. Da Nerven so wichtig sind, können Nervenschmerzen und -schäden die Lebensqualität ernsthaft beeinträchtigen. Ständiger Schmerz wirkt sich auf die Emotionen und Einstellungen des Patienten aus.

Die behandelnden Ärzte folgen verschiedenen Schritten, um die Auswirkungen der Schmerzen zu verringern. Der erste Schritt kann die physikalische Therapie und/oder die Einnahme entzündungshemmender Medikamente sein. Tritt der Schmerz jedoch weiterhin auf, wird der Patient angewiesen, Wärme und/oder elektrische Stimulation auszuprobieren.

Elektrische Nervenstimulation

Eine Möglichkeit ist die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS), bei der ein geringer elektrischer Strom verwendet wird. Dabei kommt ein kleines, batteriebetriebenes Gerät zum Einsatz, das mit am Patienten anhaftenden Elektroden verbunden ist. Die Elektroden werden direkt auf der Haut des Patienten befestigt. Beim Einschalten des Geräts werden kleine elektrische Impulse an den betroffenen Körperbereich abgegeben, die als Kribbeln empfunden werden.

Die elektrischen Impulse lindern die Schmerzen und helfen dabei, die Muskeln zu entspannen. Auch die Ausschüttung von Endorphinen wird stimuliert, die natürliche Schmerzmittel des Körpers sind. TENS kann durch den Einsatz von Opioiden und/oder injizierten Nervenblockern unterstützt werden – einer nervenberuhigenden Substanz. In einigen Fällen können dabei jedoch Probleme hinsichtlich chemischer Reaktionen und/oder Nebenwirkungen durch die Einnahme von Medikamenten auftreten.

Rückenmarkstimulation

Halten chronische Schmerzen an, kann eine Operation in Betracht gezogen werden, obwohl die Rückenmarkstimulation (SCS; Spinal Cord Stimulation) oft eine sicherere und einfachere Lösung ist. Bei der Therapie werden die Schmerzsignale überdeckt, bevor sie das Gehirn erreichen.

Ein SCS-Gerät wird während der Operation unter die Haut platziert, von wo aus es einen schwachen elektrischen Strom an das Rückenmark sendet. Ein kleines Kabel transportiert den Strom von einem Impulsgenerator zu den Nervenfasern des Rückenmarks. Beim Einschalten stimuliert das SCS-Gerät die Nerven in dem Bereich, in dem Schmerzen auftreten.

Durch diese Behandlung wird die Schmerzquelle nicht beseitigt, sondern die Art und Weise, wie sie vom Gehirn wahrgenommen wird, verändert. In der Folge variiert die erreichte Schmerzlinderung von Person zu Person. Allerdings kann auch eine geringfügige Schmerzlinderung von Bedeutung sein – sofern es dem Patienten hilft, seine tägliche Aktivität zu steigern und die Menge an Schmerzmedikamenten zu reduzieren.

Fazit & Ausblick

Letztendlich ist jeder Fall anders, daher müssen Ärzte die individuellen Bedürfnisse der Patienten berücksichtigen, bevor sie sich für die am besten geeignete Behandlung entscheiden. Die bei neuropathischen Schmerzen vorliegenden Mechanismen sind komplex und umfassen sowohl periphere als auch zentrale Phänomene. Obwohl für die Behandlung dieser Schmerzen zahlreiche Medikamente zur Verfügung stehen, ist eine medikamentöse Therapie für die komplette Ausheilung bislang nicht möglich. Um alternative Therapien zu entwickeln, sind die wesentlichen Elemente des Schmerzes zu berücksichtigen.

Autor:Rober Stanton ist Director of Technology bei Omnetics

Schlagworte:Schmerztherapie, elektrische Nervenstimulation Rückenmarkstimulation

Quelle: R. Stanton: Schmerzlinderung über die Wirbelsäule, Medizin+elektronik 4/2019, S. 30 – 33

*Bild: Designed by kjpargeter / Freepik

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