Bildverarbeitung mit KI

Was Videotechnologie in der Klinik und Pflege leistet

3. November 2022, 12:11 Uhr | Jos Beernink, Milestone Systems
Medizintechnik Digital Health Telemedizin Digitale Video Klinik Pflege
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Wie kann intelligente Videotechnologie medizinisches Personal dabei unterstützen, Patienten auf ethische und verantwortungsvolle Weise besser zu versorgen? Ein Überblick zu klinischen Use Cases und dem technischen und rechtlichen Rahmen.

Intelligente Videotechnologie kann in Krankenhäusern, in der Pflege und großen medizinischen Einrichtungen die Effizienz erhöhen und sogar Leben retten. Moderne Videomanagementsysteme unterstützen in den Einrichtungen mit intelligenter Software, Patient:innen besser zu betreuen, das hohe Arbeitspensum zu bewältigen und die Sicherheit von Mitarbeitenden und Patient:innen bzw. Bewohner:innen zu erhöhen.

Datengesteuerte Videotechnologie nutzt künstliche Intelligenz (KI), um Videos von Kameras zu analysieren und automatisch die Situation einzuordnen. Diese vielseitige Technologie übernimmt so Routineaufgaben von Mitarbeitenden und lässt ihnen mehr Zeit für die persönliche Betreuung von zu pflegenden Personen. Die folgenden Beispiele veranschaulichen, wie datengesteuerte Videotechnologie die Effizienz im Gesundheitswesen erhöht.

Patienten per Kamera überwachen

Nichts ist genauer, als ein geschultes menschliches Auge. Problematisch ist hierbei jedoch, dass die Aufmerksamkeit eines menschlichen Beobachters nach kurzer Zeit schnell nachlässt. Software hingegen wird nie müde. Sie beobachtet und analysiert ständig und ist immer bereit, einen Alarm auszulösen oder die aus Daten gewonnenen Informationen an andere Systeme weiterzugeben.

Videotechnologie ist weit mehr als Überwachung und vereinfacht mit der richtigen Analysesoftware in medizinischen Einrichtungen eine Vielzahl personal- und zeitintensiver Aufgaben, wie die Patientenbeobachtung. In Kombination mit den bereits in Krankenhäusern eingesetzten Überwachungsgeräten für Körperfunktionen kann das Pflegepersonal mit Hilfe von Videotechnologie Patienten überwachen, ohne sie zu stören.

Risiken einschätzen und Alarm geben

Besonders nachts, wenn zu pflegende Personen schlafen und weniger Personal auf den Stationen ist, reduziert Videotechnologie das Arbeitspensum in Nachtschichten erheblich. Zusätzlich kann eine Videoanalytik auch präventiv eingesetzt werden, um Risiken zu verringern, die besonders für ältere Menschen eine Gefahr darstellen. Gegenstände, die
Gänge blockieren oder zu einem Sturz führen können, werden durch intelligente  Videotechnologie automatisch erkannt und können dann durch das Personal entfernt werden. In Kombination mit weiteren Sensoren erkennt eine intelligente Analytik auch das Zerbrechen von Glas. Das kann ein Fenster, eine Vase oder ein anderes Objekt sein, die zu Boden gefallen sind und eine potenzielle Gefahr darstellen.

Zudem ist datengesteuerte Videotechnologie in der Lage zu unterscheiden, ob eine Person sitzt, liegt, sich im Knien die Schnürsenkel bindet oder gestürzt ist. Kommt es zu einem vorher definierten Szenario wie einem Sturz, kann das System einen Alarm auslösen und ermöglicht eine schnelle Reaktion durch das Pflegepersonal. So rettet das System im Ernstfall Leben.

Video-Analyse für Klinik, Pflege, Psychiatrie

Auch in psychiatrischen Einrichtung hilft Videotechnologie, die Überwachung von Patientinnen und Patienten deutlich effizienter zu gestalten. Kommt es beispielsweise zu einem Vorfall, in dem ein Patient in seinem Zimmer einen Selbstverletzungs- oder Selbstmordversuch unternimmt, kann eine intelligente Videoanalytik dies erkennen, das Pflegepersonal informieren und so eine schnelle Reaktion des Personals ermöglichen. Ausgestattet mit einer Gegensprechanlage, unterstützt die Technologie das Personal auch dabei, die betroffene Person zu beruhigen, bevor andere Mitarbeitende im Zimmer sind. So können etwa Maßnahmen reduziert werden, die in die Freiheit
einer zu pflegenden Person eingreifen.

Ein weiteres Anwendungsbeispiel ist die automatisierte Analyse von Körpersprache, um Angst, Wut oder verbale Aggressionen erkennen zu können. Die frühzeitige Warnung vor einem potenziellen Konflikt ermöglicht es dem Pflegepersonal, rechtzeitig einzugreifen und körperliche Aggressionen zu verhindern.

Videotechnologie und Datenschutz

Die genannten Beispiele sind nur einige der vielen Möglichkeiten, wie Videotechnologie im Gesundheitswesen eingesetzt werden kann. Die Datenkonformität dieser Möglichkeiten zu gewährleisten, ist durch einige technische Lösungen möglich. Bei der Videoanalytik nur auf Live-Videos zu setzen, die nicht gespeichert werden und Filter, die Gesichter unkenntlich machen, sind etwa gute Lösungen. Werden Bilder mit unkenntlichen Gesichtern doch gespeichert, da etwa Vorfälle evaluiert werden sollen, kann das System so eingestellt werden, dass nur bestimmte Personen die Daten abrufen können.

Zudem ist es ratsam, die Mitarbeiter intensiv im Umgang mit der Software zu schulen und ein umfangreiches Regelwerk aufzustellen, wie mit den Daten umgegangen werden sollte. Was hier nach einer großen Investition klingt, wird jedoch den Alltag von Mitarbeitenden in Gesundheitseinrichtungen deutlich vereinfachen.

Sichere Videotechnologie für Medizin-Zwecke

Videotechnologie erfolgreich in medizinischen Einrichtungen nutzen In den vergangenen Jahren wurde die Videoüberwachung lediglich zur Aufzeichnung von Beweismaterial oder zur Abschreckung vor Diebstahl eingesetzt. Heute dient intelligente
Videotechnologie als proaktiver Verbündeter bei der Bewältigung der ständig wachsenden Arbeitsbelastung in medizinischen Einrichtungen. Die hier besprochenen Beispiele sind nur einige der Möglichkeiten, wie die Gesundheitsbranche die Fähigkeiten von Videotechnologie nutzen kann.

In der Kombination mit unterschiedlicher Kamera- und Sensortechnik kann mit Videotechnologie viel erreicht werden. Sich hierbei richtig mit den Möglichkeiten auseinanderzusetzen und sich fachmännisch beraten zu lassen, ist daher viel wert.
Bei der Erhebung sensibler Videodaten ist jedoch Vorsicht geboten. Krankenhausmitarbeiter sind keine Rechtsexperten für die Auslegung der Datenschutzgrundverordnung. Hier muss dementsprechend ein durchdachtes Regelwerk erarbeitet werden. (uh)


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