Schwerpunkte

Additive Fertigung

Dank 3D-​Lithographie zum Medikamententaxi

02. Dezember 2020, 16:27 Uhr   |  ETH Zürich

Dank 3D-​Lithographie zum Medikamententaxi
© Alcântara et al. Nature Communications 2020

Computergrafik eines Mikrovehikels mit Eisenrädern (goldfarben) und einer Polymer-​Chassis (rot). Das Vehikel ist 0,25 Millimeter lang.

Forscher entwickeln winzige Roboter aus Metall und Kunststoff

Roboter, so winzig, dass sie sich durch unsere Blutgefäße bewegen und Medikamente im Körper an bestimmte Stellen bringen – dies ist ein Forschungsziel, dass Wissenschaftler seit Jahren verfolgen. Forschenden der ETH Zürich ist es nun gelungen, erstmals solche »Mikromaschinen« zu bauen, die aus Metall und Kunststoff bestehen, und bei denen diese beiden Materialien so miteinander verknüpft sind, wie dies beispielsweise die Glieder einer Kette. Möglich ist dies dank einer von ihnen entwickelten neuen Herstellungstechnik.

»Metalle und Polymere haben unterschiedliche Eigenschaften, und beide Materialien bieten Vorzüge beim Bau von Mikromaschinen. Um alle diese Eigenschaften gleichzeitig nutzen zu können, wollten wir die beiden Materialien kombinieren«, erklärt Carlos Alcântara, ehemaliger Doktorand in der Gruppe von Salvador Pané am Institut für Robotik und Intelligente Systeme und einer der beiden Erstautoren der Arbeit. In der Regel werden Mikromaschinen von außerhalb des Körpers mit Magnetfeldern angetrieben. Dazu müssen magnetische Metallteile eingebaut werden. Polymere wiederum haben den Vorteil, dass sich damit weiche und bewegliche Teile konstruieren lassen oder solche, die sich im Körperinnern auflösen. Werden Medikamente in solche auflösbaren Polymere eingebettet, lassen sich an bestimmten Körperstellen gezielt Wirkstoffe freisetzen.

Hybridtechnik im Mikrometer-Maßstab

Die neue Herstellungsmethode basiert auf der Expertise von ETH-​Professor Salvador Pané. Er arbeitet schon seit Jahren mit einer hochpräzisen 3D-​Drucktechnik, mit der sich komplexe Gegenstände im Mikrometermassstab herstellen lassen: der 3D-​Lithographie. Die ETH-​Wissenschaftler haben mit dieser Technik für ihre Mikromaschinen eine Art Gussformen hergestellt. Letztere haben dünne Kanäle, die als Negativ dienen und mit dem entsprechenden Material gefüllt werden.

Mikroskopiebild des oben gezeigten Zwei-​Komponenten-Mikrovehikels.
© Alcântara et al. Nature Communications 2020

Mikroskopiebild des oben gezeigten Zwei-​Komponenten-Mikrovehikels.

Mittels elektrochemischer Abscheidung füllen die Ingenieure die einen Kanäle mit Metall, andere füllen sie mit Polymeren aus. Zum Schluss wird die Gussform mit Lösungsmitteln aufgelöst. »Wir konnten diese Methode entwickeln, weil in unserer interdisziplinären Gruppe Elektroingenieure, Maschineningenieure, Chemiker und Materialwissenschaftler eng zusammenarbeiten«, sagt Fabian Landers. Er ist Doktorand in Panés Gruppe und ebenfalls Erstautor der Arbeit, die in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde.

Vehikel mit magnetischen Rädchen

Als Machbarkeitsnachweis von ineinander verwobenen Mikromaschinen stellten die ETH-​Ingenieure verschiedene winzige Vehikel mit Kunststoff-​Chassis und magnetischen Metallrädern her, die sich über ein rotierendes Magnetfeld antreiben lassen. Darunter sind solche, die sich auf einer Glasoberfläche fortbewegen lassen, und andere, die – je nach verwendetem Polymer – in Flüssigkeit oder an einer Flüssigkeitsoberfläche schwimmen können.

Die Wissenschaftler wollen ihre Zwei-​Komponenten-Mikromaschinen nun weiterentwickeln und mit weiteren Materialien experimentieren. Außerdem werden sie versuchen, komplexere Formen und Maschinen herzustellen, auch solche, die sich zusammenfalten und auffalten können. Neben wirkstoffausschüttenden Fähren gehören zu künftigen Anwendungsmöglichkeiten Mikromaschinen, mit denen Aneurysmen (Blutgefäßausbuchtungen) behandelt oder andere Operationen durchgeführt werden können. Ein weiteres Forschungsziel sind auffaltbare Stents (röhrenförmige Gefäßstützen), welche mit Magnetfeldern an den gewünschten Ort gebracht im Körper werden können.

Links

Originalpublikation: Mechanically interlocked 3D multi-material micromachines

(me)

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Verwandte Artikel

ETH Zürich