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Durchschlafen trotz Schlafapnoe

An einen erholsamen Schlaf ist bei vielen Menschen nicht zu denken. Das ist nicht nur belastend, sondern kann im Fall von Schlafapnoe gefährlich werden.
An einen erholsamen Schlaf ist bei vielen Menschen nicht zu denken. Das ist nicht nur belastend, sondern kann im Fall von Schlafapnoe gefährlich werden.
© Somnics

Unternehmen aus Taiwan präsentieren neue Produkte für Therapie

Laut Studien leiden schätzungsweise eine Milliarde Menschen auf der Welt an obstruktiver Schlafapnoe. Dabei bleiben vermutlich bis zu 80 Prozent der Fälle unerkannt. Das Obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) wird durch eine vollständige oder teilweise Obstruktion (= Verschluss) der oberen Atemwege verursacht. Mögliche Symptome können sein: Schnarchen, Schlafapnoe, Nasenallergie, Doppelkinn, Zahnfehlstellungen und Parodontalerkrankungen. 

Das resultierende Beschwerdebild wird durch periodische Atemstörungen und/oder Minderbelüftung der Lunge während des Schlafs verursacht. Durch unkontrollierte Atemaussetzer erhält das Gehirn zeitweise nicht mehr ausreichend Sauerstoff, was zu Tagesmüdigkeit, schlechter Konzentration und Vergesslichkeit führen kann. Neben Beeinträchtigungen im täglichen Leben und vor allem im Straßenverkehr sind die Aussetzer besonders gefährlich für das Herz-Kreislaufsystem. Eine nicht behandelte Schlafapnoe kann im schlimmsten Fall sogar zu einem Schlaganfall oder Herzinfarkt führen.

Schlafapnoe schnell erkennen und behandeln

Bild 1. Ein neues Diagnosesystem soll dank Lasertechnik und künstlicher Intelligenz das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom in zehn Minuten feststellen können. Und das am wachen Patienten.
Bild 1. Ein neues Diagnosesystem soll dank Lasertechnik und künstlicher Intelligenz das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom in zehn Minuten feststellen können. Und das am wachen Patienten.
© AmCad BioMed

Die gängigste Methode zur Diagnose ist die Polysomnographie (PSG), die ein Übernachten in einem Schlafzentrum erfordert. Die Verfügbarkeit dieser Schlaftests ist begrenzt, was zu teilweise langen Wartezeiten von Monaten bis zu einem halben Jahr führt. Die eingeschränkten Kapazitäten der aktuellen Testmethode hat zu einem hohen Prozentsatz an nicht diagnostizierten Patienten geführt und erhöht damit die Gesundheitsprobleme für einen großen Teil der Weltbevölkerung.

AmCad BioMed (Halle 11 / Stand B26) verschmilzt professionelle, klinische Erfahrung mit Entwicklungstechniken der Künstlichen Intelligenz (KI). Das Start-up hat unter anderem AmCAD-UO zur schnellen OSAS -Erkennung entwickelt (Bild 1). Innerhalb von nur zehn Minuten scannt das System mit der lasergesteuerten Positionierung die oberen Atemwege präzise und zuverlässig – der Patient beziehungsweise die Patientin ist währenddessen wach. Das Gerät analysiert und rekonstruiert die Ultraschallbilder mithilfe von KI und vergleicht automatisch die Zustände der Atemwege zwischen normaler Atmung und dem Müller-Manöver-Modell. Dabei handelt es sich um eine Atmungsmethode, die Schnarchen nachahmt. »Unser System bietet eine zuverlässige Risikobewertung für Patienten und Patientinnen mit sowohl moderatem als auch schwerem OSAS«, sagt Yili Lee, Präsidentin von AmCad BioMed. Mit der OSAS-Diagnose im wachen Zustand unterstütze das Unternehmen zudem Schlafmediziner darin, die Ursachen bei blockierten Atemwegen zu identifizieren. 

Das patentierte lasergesteuerte System reduziert weitgehend die Intra-Beobachter-Variabilität. Die Ultraschallabtastung ist standardisiert, um die Beurteilung konsistenter zu machen und Schwankungen durch die Bedienung zu vermeiden. Der Einsatzbereich geht über die reine Diagnostik hinaus. Die automatisierte Ultraschall-Bogenabtastung liefert auch Informationen zur OSAS-Therapie. Mithilfe der KI erstellt das Gerät 3D-Rekonstruktionen der oberen Atemwege für die weiterführenden Behandlungen. Zum Erfassen und Analysieren lässt sich das AmCAD-UO damit als begleitendes Diagnosetool einsetzen, das während der Therapie unterschiedliche Behandlungsmethoden evaluiert und in der Folge die Erfolgsrate verbessert.

Medizinische Begleitung der Schlaftherapie

Viele OSAS-Betroffene atmen während des Schlafens durch den Mund und neigen zum Schnarchen. Eine geläufige Therapie sind CPAP-Geräte (Continuous Positive Airway Pressure), die über Masken einen anhaltenden Überdruck im Mund- und Rachenraum aufbauen. Mit dem iNAP One hat das Medizintechnik-Unternehmen Somnics (Halle 11 / Stand B26)  eine Technologie entwickelt, die mit Unterdruck in der Mundhöhle arbeitet. Ein weiches Mundstück erzeugt ein sanftes Vakuum in der Mundhöhle, der Unterdruck stabilisiert die Zunge sowie Weichteile und befreit so die Atemwege. »Mit dem iNAP atmet die Person ganz normal ohne Behinderung durch die Nase und erlebt einen erholsamen Schlaf«, erläutert Dr. Chung-Chu Chen, Gründer und CEO von Somnics. Er habe selbst lange unter Schlafapnoe gelitten und aus Mangel an geeigneten Therapien sein eigenes System entwickelt. Nach Erfahrungsberichten in Taiwan und den USA liegt die klinische Erfolgsrate bei 75 Prozent.

Das System ist laut Aussage des Herstellers einfach zu bedienen und stört nicht beim Schlafen (Aufmacherbild). Für den Tragekomfort verfügt das Mundstück über eine weiche und schmiegsame Oberfläche aus thermischem Speichermaterial, das sich flexibel an jeden Mund- und Rachenraum anpasst. Das handliche und leichte (210 g) Gerät arbeitet diskret und leise. Ist der Unterdruck erreicht, hält es diesen lautlos aufrecht. Die Patienten und Patientinnen können ruhig schlafen. iNAP ist tragbar und mit aufladbaren Akkus betrieben. Damit eignet es sich auch für unterwegs, etwa im Flugzeug, im Zug oder beim Camping. Für eine medizinische Begleitung der Schlaftherapie bietet Somnics ergänzend eine App und einen Cloud-Service an.


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