Digitale Demenz-Diagnose

KI direkt im Befundworkflow

7. Juni 2022, 12:50 Uhr | Neo Q
Gehirn EKG Nahtod
© dpa Bildfunk

Bessere Diagnostik von Demenz, Parkinson und anderen neurodegenerativen Krankheiten.

In Deutschland sind rund 1,5 Millionen Menschen an einer Demenz erkrankt sind, etwa 300.000 leiden an einer Parkinson-Erkrankung. Die Zahl der Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen wird sich bis zum Jahr 2050 aufgrund des demographischen Wandels voraussichtlich auf mindestens drei Millionen erhöhen. Diese Aussichten benötigen eine verbesserte Diagnostik und eine schnellere Therapie. Mit diesem Ziel haben das Berliner Start-up Neo Q, Erfinder der Befundmethode Guided Reporting, und das Tübinger MedTech-Unternehmen AIRAmed eine Entwicklungspartnerschaft vereinbart. Die beiden Firmen arbeiten daran, die Künstliche Intelligenz (KI) AIRAscore zur automatischen Analyse von MRT-Aufnahmen des Schädels in die Befundungssoftware RadioReport zu integrieren.

RadioReport denkt wie ein Facharzt

»Mit der Integration der KI erweitern wir die bisherige radiologische Befundung um eine entscheidende Funktion: die Messung des Hirnvolumens. Pathologische Abweichungen können sehr viel früher und präziser erkannt werden als bei einer herkömmlichen visuellen Befundung. Auf diese Weise eröffnen wir Radiologen mehr diagnostische Möglichkeiten und helfen, neurodegenerative Erkrankungen wie Demenzen, Parkinson und Multiple Sklerose frühzeitig zu erkennen und damit effizient behandeln zu können«, erläutert Prof. Alexander Huppertz, selbst Radiologe und CEO von Neo Q, die Vorteile der Integration.

RadioReport, eine konsequente Weiterentwicklung des Structured Reportings, bildet die Denkprozesse erfahrener Fachärzte ab und führt Radiologen ausgehend von der Anatomie anhand 23 vollständiger Module wie ein virtueller Interviewer durch den gesamten Befundungsprozess. Am Ende steht ein standardisierter, vollständiger Befund mit maschinenlesbaren Inhalten.

Intregriert als optionale Unterstützung

Viele KI-Anwendungen scheitern daran, dass sie nicht in den gewohnten Workflow der Radiologen integriert sind. Das ist bei RadioReport und AIRAscore anders, wie Prof. Huppertz ausführt: »Wir vereinen beide Softwares unter einer Oberfläche. Der Radiologe startet seine Befundung wie gewohnt mit RadioReport. Im Hintergrund wird das Schädel-MRT automatisch analysiert. Stellt die KI eine pathologische Abweichung des Hirnvolumens fest, signalisiert sie das dem Befunder. Der sieht sich die Analyseergebnisse an und entscheidet, ob er sie annimmt oder nicht. Nimmt er sie an, werden sie automatisch an der richtigen Stelle direkt in den Befund übernommen.« Durch RadioReport werden standardisierte Daten gewonnen, die regelmäßig an AIRAmed zur gemeinsamen Weiterentwicklung der KI um disruptive Ergänzungen und Features zurückgespielt werden.

Die Kombination aus ärztlicher Expertise und KI soll laut Dr. Tobias Lindig, Gründer von AIRAmed sowie Oberarzt der Neuroradiologie am Universitätsklinikum Tübingen die Befundung von Schädel-MRTs auf eine neue Qualitätsstufe heben. »Unsere Unternehmen machen Software von Radiologen für Radiologen. Die Erfahrungen und Rückmeldungen aus der klinischen Praxis fließen unmittelbar in die Weiterentwicklung der Lösungen ein. Damit gewährleisten wir einen maximalen Mehrwert für die Anwender.« (uh)


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