Dassault Systèmes in München

Neuer Brutkasten für Start-Ups

27. September 2022, 17:21 Uhr | Ute Häußler
Dassault Systemes Medizintechnik Startup 3D Software
Frédéric Vacher (links außen), Corinne Pereira (Mitte) und Olivier Ribet (rechts daneben) mit weiteren Anwesenden bei der feierlichen Eröffnung des 3DExperienceLAB von Dassault Systèmes in München.
© Sebastien D'Halloy

Dassault Systèmes hat in Giesing sein viertes 3DExperienceLab eröffnet. Start-ups können hier mit 3D-Technologie, passenden Tools, Experten-Knowhow und Networking ihre Projekte vorantreiben und skalieren. Ein Fokus liegt auf dem Medizin-Markt.

Im Weißen Quartier München hat der französische 3D-Softwarespezialist auf dem ehemaligen Siemens-Nokia-Gelände am Dienstag sein neues 3DExperienceLab eingeweiht. Neben Paris ist München der zweite europäische Standort für die Dassault-eigenen Start-Up-Brutkästen, zwei weitere Labs gibt es in Boston und Indien. Die Labs sollen Start-Ups und Gründer unterstützen, ihre Ideen mithilfe von 3D-Technologie, Werkzeugen sowie Experten-Knowhow in einem starken Netzwerk zu entwickeln und zum Leben zu erwecken.

»Wir sind sehr froh, diesen magischen Platz für Innovation heute hier zu eröffnen,« sagte ein sichtlich stolzer Olivier Ribet, Executive Vice President EMEA bei Dassault Systèmes (DS) zur feierlichen Eröffnung. Der Leiter 3DExperience Frédéric Vacher hob vor allem hervor, dass mit dem Münchner Inkubator ein weiterer Ort geschaffen werde, um »mit Schwarmintelligenz« nachhaltige Neuerungen zu fördern. Unter den Festrednern waren Dr. Ursula Triebswetter vom Wirtschaftsreferat der Stadt München und die französische Generalkonsulin Corinne Pereira, welche das Labor mit dem Durchschneiden des Eröffnungsbandes offiziell einweihte. Die Schere dafür hatte ein autonomer Laborroboter gebracht, der über den Startup-Inkubator entwickelt worden war. 

Gudrun Weidmann von »Invest in Bavaria« unterstrich mit dem 3DExperienceLab die Wichtigkeit industrieübergreifender Innovationen, um z.B. erweitere Realitäten oder Roboter-Anwendungen in den OP zu bringen und die postiven Auswirkungen auf den hiesigen Wirtschaftsstandort. Florian Dötzer als Leiter des TUM VentureLab beschrieb das neue Labor als einen wichtigen Baustein, um in Bayern und München mithilfe von Schlüsseltechnologien, Infrastruktur und effektivem Venturing ein Start-Up-Ökosystem auf Weltniveau aufzubauen – und damit die Time-to-Market als Wettbewerbskiller im DeepTech-Bereich deutlich zu verkürzen.

Dassault Systemes Medizintechnik Startup 3D Software
© Sebastien D'Halloy

Fokus auf Medical und Life Sciences

Laut Frédéric Vacher kommen 60 Prozent aller 51 derzeit in den Labs geförderten Start-Ups aus dem Bereich Medical. Ob Hornhaut-Ersatz, 3D-OP-Simulation, Blutdruck-Wearables oder autonomer Labor-Roboter, die medizinischen Szenarien decken einen breiten Anwendungsbereich ab und reichen von Lösungen für Ärzte und medizinisches Fachpersonal bis hin zu patientenzentrierten Projekten.

Zur Eröffnung des 3DExperienceLabs München konnten Besucher eine Live-Demo des Dassault-geförderten VR-Medizinprojektes VORTHEx erleben, welches in einem Pariser Krankenhaus bereits im Einsatz ist. Ansatzpunkt der Virtual Reality-Anwendung ist der Stress und die Angst von CT- oder MRT-Patienten, die mit oft unklarer oder bedrohlicher Diagnose allein auf einem Behandlungstisch liegen, während sich laute Maschinen und Roboter um sie herum drehen und bewegen. Das Start-Up hat mithilfe von 3D-Technik ein komplettes Abbild der Behandlungs- und Diagnoseräumlichkeiten mit seinen Medizingeräten und Robotern geschaffen. Ängstliche Patienten können vor der eigentlichen Behandlung den gesamten Ablauf über eine VR-Brille digital erleben, kennenlernen und sich mit den diversen Schritten vertraut machen. Mithilfe der VR-Technik läuft die eigentliche Behandlung dann bestenfalls sehr unkompliziert ab, was neben entspannten Patienten über exaktere Bilder meist auch direkt mit einer genaueren Diagnose korreliert.

Dassault Systemes Medizintechnik Startup 3D Software
© Sebastien D'Halloy

3D-Support für Start-Ups

Für die Start-Ups und ihre Projekte gibt es in den 3D-Laboren individuelle Unterstützung. Diese reicht von kostenfreien kommerziellen Lizenzen für die Produktentwicklung auf der DS-Plattform 3DExperience (z.B. Catia oder SolidWorks-Software) über spezielle Trainings sowie Veranstaltungen und Netzwerk-Support. Heike Freund vom Energie-Startup Marvel Fusion betonte, dass »manchmal schon die Awareness reicht, welche Software es überhaupt gibt und welche Unternehmensprozesse damit abgebildet werden können.« Unter den in München vorgestellten Start-Ups befindet sich aus dem Medizin-Bereich u.a. ein autonomer Transportroboter für Labore und ein Virtual Reality-System für Radiologie-Patienten.  

Um im 3DExperienceLab arbeiten zu können und damit Zugriff auf das dort integrierte FabLab mit seinen 3D-Druckern und Fräsmaschinen zum Samples- und Prototypen-Bau sowie aktiven Support von Software-Experten oder das ImmersiveLab mit seiner VR-Technik zu haben, müssen willige Start-Ups einen Auswahlprozess durchlaufen. Nach Bewerbung über die DS-Website werden die eingereichten Projekte auf Kriterien wie Impact, Business und Nachhaltigkeit geprüft. Eine Expertenjury aus der jeweiligen Branche bewertet die technische Idee und Umsetzung. Die Start-Ups werden im Laufe dieses Prozesses bereits in der Weiterentwicklung und Anreicherung ihrer Idee supportet. Haben die Gründer diese Schritte erfolgreich durchlaufen, müssen sie vor dem Dassault-CEO und weiteren Jury-Mitgliedern eine Pitch-Präsentation halten.

Über Dassault Systèmes

Dassault Systèmes (DS) ist ein weltweit tätiges Software-Unternehmen mit Hauptsitz im französischen Vélizy-Villacoublay und beschäftigt rund 20.000 Mitarbeiter. Die Firma entwickelt 3D Design Software, 3D Digital Mock-up und Lösungen für Product-Lifecycle-Management (PLM). Mithilfe der Softwarelösungen können Unternehmen ihre Produkte während des gesamten Entwicklungs- und Lebenszyklus modellieren, simulieren und visualisieren. Im Bereich Medizintechnik zählen u.a. Medtronic, Olympus, Ottobock und Osstem zu den größten Dassault-Kunden. www.3ds.com

 


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