Vom Labor in die Anwendung

Maßgeschneiderte Lebende Materialien

23. Juni 2022, 10:39 Uhr | Ute Häußler
Lebende Materialien Werkstoffe selbstheilend Engineered living materials
3D-gedruckte Faser kapselt Bakterienkolonien, die ein violettes antimikrobielles Medikament produzieren, sicher ein.
© Leibnitz INM

Was sind Lebende Materialien? Die Forschung entwickelt sich rasant und geht bereits in die Praxis.

Lebende Materialien bestehen aus zwei Komponenten: Aus lebenden Organismen wie Hefen, Pilzen, Algen oder Bakterien, die so programmiert werden, dass sie bestimmte Funktionen erfüllen, und aus einem Trägermaterial, in das die lebenden Organismen eingeschlossen sind. Die Organismen verfügen über besondere Stoffwechseleigenschaften und können verschiedenartigste Stoffe produzieren, von anorganischen Salzen über Metalloxide und Biopolymere bis hin zu hochwirksamen medizinischen Wirkstoffen. Diese Fähigkeit kann genutzt werden, um technische und medizinische Materialien mit neuartigen Funktionen herzustellen, die nicht-lebende Materialien nicht besitzen. Dazu gehören z. B. Selbstregeneration des Materials nach Beschädigung, eine flexible Anpassung an Umweltreize oder extreme Langlebigkeit.

Mit diesem Potenzial wird Lebenden Materialien ein große Zukunft vorhergesagt. Die wachsende interdisziplinäre Forschungscommunity trifft sich vom 21. bis 23. Juni 2022 auf Einladung des Leibniz WissenschaftsCampus »Lebende Therapeutische Materialien« zum dritten Mal zur Engineered Living Materials Conference in Saarbrücken. Die 140 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 15 Ländern diskutieren u.a. mit Fachleuten den Schritt vom Labor in die Anwendung.

Forschung trifft Kunst und Industrie

Auf der Networking-Plattform sollen alle naturwissenschaftlichen Disziplinen zusammenkommen, die an Lebende Materialien arbeiten. »Hier treffen Spitzenforscherinnen auf Nachwuchswissenschaftler, Wissenschaft auf Kunst und Grundlagenforschung auf Industrie«, sagt Prof. Aránzazu del Campo, Wissenschaftliche Geschäftsführerin am Leibniz-Institut für Neue Materialien (INM). Neben der Weiterentwicklung der Forschung sei der Übergang in die Anwendung ein besonderes Anliegen. In einer Podiumsdiskussion kommen Forschende, die bereits Erfahrung mit der Überleitung von erfolgreichen Projekten in Startups haben, Investoren sowie Regulatoren von nationalen und europäischen Institutionen zu Wort.

Die Forschung an Engineered Living Materials, inzwischen von der EU als Innovationstechnologie eingestuft, wird spannend bleiben. Die Zahl der Forschenden auf diesem Gebiet scheint ständig zu wachsen, wobei neue junge Gruppen aus etablierten Gruppen hervorgehen und Personen aus verwandten Bereichen in die ELM-Forschung einsteigen. (uh)


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Leibniz-Institut für Neue Materialien GmbH