Nachbericht Compamed 2017

Vorsicht Bremsgefahr

20. November 2017, 10:16 Uhr   |  Melanie Ehrhardt

Vorsicht Bremsgefahr
© Pixabay

Nicht ausbremsen lassen: Damit neue Entwicklungen zeitnah auf den Markt kommen, müssen die strengen Regularien den Bedürfnissen angepasst werden.

Wie gut die medizinische Versorgung ist, hängt auch von der Elektronik ab. Ohne Sensoren, Mikrochips und mobile Anwendungen wird Medizin 4.0 nicht funktionieren. Das zeigte auch die Compamed 2017 in Düsseldorf: Die Technik steht längst in den Startlöschern, sie wartet nur noch auf ihren Einsatz.

Der Markt bestimmt die Nachfrage! Da macht die Medizintechnik keine Ausnahme. Je mehr Menschen von einer Krankheit betroffen sind, desto mehr wird geforscht und entwickelt. Das klingt hart, kommt aber entsprechend großen Personengruppen zugute. Bestes Beispiel: Diabetes. Denn auch wenn die Stoffwechselkrankheit selbst nicht ansteckend ist, breitet sie sich rasant über den gesamten Erdball aus.

Rund 422 Millionen Menschen weltweit sind an Diabetes erkrankt, etwa 1,6 Millionen Todesfälle sind direkt auf die Erkrankung zurückzuführen. Und trotz internationaler Kampagnen wie dem Welt-Diabetes-Tag (14. November) kommen jedes Jahr neue Patienten hinzu. Hier ist die Medizin – genauer gesagt die Medizintechnik – gefragt. Denn vielen Patienten fallen vor allem die Kontrolle des Blutzuckerspiegels und die Insulinzufuhr schwer. Die Lösung: Eine künstliche Bauchspeicheldrüse, die selbsttätig die Insulinzufuhr überwacht und rund um die Uhr regelt. Doch die Industrie tut sich schwer, ein solches Gerät auf den Markt zu bringen.

Anforderungen an Insulinpumpen

Insulinpumpen, die direkt am Körper getragen werden, kommen der künstlichen Bauchspeicheldrüse jedoch schon sehr nah. Eine Ampulle enthält das Insulin, das bei Bedarf mit der batteriebetriebenen Pumpe über einen Katheter und eine Kanüle in den Körper gelangt. Ein kleiner Motor drückt über die Gewindestangen den Stopfen der Ampulle so nach vorne, dass Insulin abgegeben wird. Die Anforderungen an den Motor sind dabei sehr hoch, wie die Compamed-Besucher am Stand von Faulhaber sehen konnten. Das Unternehmen präsentierte in Düsseldorf unter anderem seine DC-Kleinstmotoren sowie AM-Schrittmotoren. Beide eignen sich für den Einsatz in tragbaren Insulinpumpen.  

Hightech ist keine Frage der Größe

»Die hohe internationale Strahlkraft ist und bleibt die Trumpfkarte der Medica und Compamed«, sagt Joachim Schäfer, Geschäftsführer der Messe Düsseldorf. Von den knapp 124.000 Fachbesuchern reisten etwa 60 Prozent aus dem Ausland an. »Ein Großteil de
Die Compamed festigte erneut fast 800 Ausstellern aus 35 Nationen ihre Position als internationale Leitveranstaltung für den Zuliefermarkt der medizintechnischen Fertigung. Die Unternehmen sowie Forschungsinstitute präsentierten sich in den Hallen 8a
Schnelle und kostengünstige Therapien sind nicht zuletzt dank immer kleinerer und sensibler Sensoren möglich. Diese finden sich immer häufiger in Anwendungen, wo vorher entweder kein Platz war oder man schlichtweg nicht auf die Idee kam, sie dort ein

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Um das tragbare Gerät leicht zu halten, muss der Motor kompakt sein, in der Regel darf der Durchmesser nicht mehr als 10 mm betragen. Dabei muss er eine zuverlässige und präzise Leistung erbringen – zu viel oder zu wenig Insulin sind schädlich für den Patienten. Da das Insulin alle paar Minuten in den Körper gespritzt wird, bedeutet das für den Motor einen regelmäßigen Start-Stopp-Betrieb.

Technik gegen Arthrose

Eine automatische und gezielte Medikamentenabgabe, wünschen sich sicherlich auch die zahlreichen Arthrose-Patienten. Allein in Deutschland sind knapp fünf Millionen Männer und Frauen betroffen. Ein fertiges Medikamentenvergabe-System zur Schmerzbehandlung konnten die Besucher am Stand von Sonceboz sehen (Bild 1). Das Unternehmen fertigt die dafür nötigen kleinen, mechanischen Antriebe. Die Besonderheit: Bei einigen Systemen werden die Medikamente aus mehreren Komponenten kombiniert. Dessen Mischungsverhältnis erlaubt keine Abweichungen.
Bevor das System jedoch auf den Markt kommt, muss es im Praxistest erst einmal überzeugen. In etwa zwei Jahren könnte es laut Unternehmen dann soweit sein. Denn – und das zeigte sich in Düsseldorf sehr deutlich – die strengen und langwierigen Zulassungsverfahren machen es für die Unternehmen schwer, ihre Entwicklungen zeitnah auf den Markt zu bringen.

»Innovationen werden dadurch ausgebremst«, brachte es Christian Hielscher, Head of Sales Medical bei Friwo, auf den Punkt. Marktreif heißt dann eben unter Umständen auch veraltet. Viele Aussteller wünschen sich daher einheitliche Standards und schnellere Prozesse. Patienten- und Datensicherheit würden trotzdem erfüllt.

Automatisierte Schmerzbehandlung: Medikamentenpumpen sollen nicht nur die Injektion erleichtern, sondern auch ein Stück Lebensqualität zurückbringen.
© Weka/M. Ehrhardt

Bild 1. Automatisierte Schmerzbehandlung: Medikamentenpumpen sollen nicht nur die Injektion erleichtern, sondern auch ein Stück Lebensqualität zurückbringen.

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