»mobOx«

Blutanalytik direkt am Notfallort

12. Februar 2021, 08:24 Uhr   |  TH Lübeck

Blutanalytik direkt am Notfallort
© Pixabay

Rote Blutkörperchen (Symbolbild)

Wissenschaftler entwickeln mobiles Blutanalysegerät für den Rettungsdienst

Aktualisiert: 17. Februar 2021, 14:15 Uhr

Über 7 Millionen medizinische Notfälle gibt es jedes Jahr allein in Deutschland. Häufig ist dabei die Ursache der Probleme nicht sofort festzustellen. Insbesondere Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder Vergiftungen können jedoch schnell lebensbedrohlich werden. Vor solchen oder ähnlichen Situationen stehen die Rettungsdienste nicht selten. Sie sind es dann, die über weitere Schritte im Rettungsprozess bestimmen und letztendlich auf Basis ihrer Erfahrungen entscheiden, was gemacht wird.

Wertvolle Minuten

»Kommt der Rettungsdienst an einen Einsatzort, ist die Lage oft nicht besonders übersichtlich. Im schlimmsten Fall liegt der Patient am Boden, hat einen eingeschränkten Allgemeinzustand und kann sich selbst nicht äußern«, sagt Benjamin Kern, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Labor für Medizinische Sensor- und Gerätetechnik (MSGT) der Technischen Hochschule (TH) Lübeck. Der Rettungsdienst muss dennoch herausfinden, warum es dem Patienten so schlecht geht.

»Viele Veränderungen lassen sich am Blut nachweisen. Bei Vergiftungen durch Kohlenmonoxid und bestimmten Chemikalien muss beispielsweise ermittelt werden, wieviel Blut des oder der PatientIn überhaupt noch in der Lage ist, Sauerstoff zu transportieren«, so Kern. Dazu aber gäbe es aktuell noch kein Verfahren oder Gerät, das direkt am Einsatzort eine solche Diagnose zuverlässig und mit Laborgenauigkeit ermöglicht. »Eine richtige Analyse und Diagnose wird erst in einem klinischen Labor mit entsprechenden Geräten möglich, wodurch wertvolle Zeit für die Einleitung der optimalen Therapie verloren geht«, ergänzt Professor Dr. Stefan Müller, wissenschaftlicher Projektleiter am MSGT.

Bis ein Patient in einem nächstgelegenen Krankenhaus ankommt, dauert es in Deutschland durchschnittlich 7-25 Minuten. Wird dort festgestellt, dass der oder die PatientIn beispielsweise zu viel Kohlenmonoxid eingeatmet hat, dann muss er oder sie in eine Fachklinik gebracht werden, die über eine Überdruck-Sauerstoff-Kammer verfügt. Dadurch geht natürlich wertvolle Zeit verloren.

Blutanalysegerät für den mobilen Einsatz

Professor Müller und sein Team, die Doktoranden Benjamin Kern und Reza Behroozian, forschen seit rund fünf Jahren genau an dieser Problemstellung – mit Erfolg. Das Ergebnis ist ein Gerät, ausgestattet mit einem robusten, optischen Messverfahren, das lebensrettende Eigenschaften für den mobilen Einsatz besitzt. Das Funktionsmuster soll noch in diesem Jahr in einen Prototyp überführt und zusammen mit potenziellen Anwendern erprobt werden.

»Das Gerät, das wir jetzt entwickelt haben, ermöglicht eine Blutanalytik direkt am Einsatzort mit der Genauigkeit von klinischen Laborgeräten«, so Müller. Damit könne bereits in wenigen Sekunden vor Ort die bestmögliche Therapie eingeleitet werden und der oder die PatientIn ohne Umwege in die entsprechende Fachklinik mit entsprechender Überdruck-Sauerstoff-Kammer gebracht werden. Dieses Gerät namens mobOx ist in der Lage, Veränderungen am roten Blutfarbstoff Hämoglobin zu erkennen. Haupteinsatzgebiet ist die Diagnose von Kohlenmonoxid (CO)- aber auch anderen Arten von Vergiftungen. Bereits mit einer minimalen Blutprobe ließe sich diagnostizieren, ob der oder die PatientIn gefährdet ist oder nicht.

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(me)

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