Cardisio

Die smarte Herz-Vorsorgeuntersuchung

Das 2016 gegründete Start-up beschäftigt mittlerweile mehr als 30 Mitarbeiter:innen.
Das 2016 gegründete Start-up beschäftigt mittlerweile mehr als 30 Mitarbeiter:innen.
© Cardisio

Start-up aus Frankfurt entwickelt nicht-invasiven Herz-Screening-Test

Junge Gründer, große Ideen – Start-ups trauen sich das, wovor große Unternehmen oft Angst haben. Sie machen einfach. Von der Diabetes-App über intelligente Prothesen bis hin zu Pflegerobotern: Kein Vorhaben scheint zu groß oder gar abwegig. Unternehmergeist ist nicht nur löblich, sondern gerade in der Medizintechnik nötig. Hier sind Start-ups keine Konkurrenten von Unternehmern und Ärzten, sie sind ihre Partner.

Wir möchten einige dieser Köpfe und ihre Ideen genauer vorstellen. Dieses Mal: »Cardisio«. Das Unternehmen aus Frankfurt am Main bietet einen nicht-invasiven Herz-Screening-Test an, mit dem sich kardiologische Erkrankungen frühzeitig erkennen lassen. 

Wie lautet euer Elevator Pitch?

Die Cardisiographie (CSG) ist ein nicht-invasives Verfahren zur Früherkennung von Herzkrankheiten – und dabei hochpräzise, schnell und kostengünstig. Dabei gleicht die Anwendung der eines EKGs. CSG liefert ein dreidimensionales Vektorkardiogramm der elektrophysikalischen Eigenschaften des Herzens und erkennt mittels eines patentierten Algorithmus und neuronaler Netze (KI) Muster von Herzerkrankungen.

Damit können auch Nicht-Expert:innen kranke oder gesunde Herzen voneinander unterscheiden. In der konventionellen Diagnostik kann es mehrere Monate dauern, bis die Patient:innen wissen, wie es ihrem Herzen geht. Mithilfe der Cardisiographie kann dies innerhalb von 2-3 Tagen geklärt und gegebenenfalls eine Therapie eingeleitet werden. 

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Der Startpunkt war der Herzinfarkt eines unserer Gründer. Meik Baumeister war zu diesem Zeitpunkt 32 Jahre alt, IT-Berater, schlank und sportlich – ohne gesundheitliche Beschwerden. Damals lernte er, was bis heute kaum bekannt ist: Herkömmliche Untersuchungsmethoden, wie zum Beispiel ein EKG, können eine koronare Herzkrankheit nicht erkennen und sind von daher bei der Vorhersage eines Herzinfarktes kaum aussagekräftig.  Hilfreichere Technologien in diesem Bereich, wie CT oder MRT, sind hingegen zu aufwändig und zu teuer, um sie prophylaktisch einzusetzen. Aus diesem Grund wird bei vielen symptomfreien Patienten bis heute ein erhöhtes Herzinfarktrisiko nicht erkannt. 

Dass es aber noch eine andere Option gibt, erfuhr Baumeister im Jahr 2016 von Prof. Dr. Gero Tenderich, Kardiologe, Experte für Vektorkardiographie und ebenfalls Mitgründer von Cardisio. Er erklärte Meik Baumeister, dass mithilfe der Vektorkardiographie sehr präzise Voraussagen zu einem Herzinfarktrisiko möglich wären, diese Methode aber nur zur Klärung besonderer Fragestellungen verwendet würde, da die Vektorinformationen nur von geschulten Expert:innen interpretiert werden konnten. Der Plan, die Vektorkardiographie in der Breite anwendbar zu machen, war die Geburtsstunde von Cardisio – und die Einführung der Cardisiographie ihr Ergebnis. 

Was war euer größter Erfolg?

»Cardisio hat mein Leben gerettet!« – Das haben wir jetzt schon öfter gehört.  Und genau diese Erfahrungen bestärken uns immer wieder in unserer Arbeit und geben uns die nötige Energie, um weiter voranzugehen.

Und der größte Rückschlag?

Hohe bürokratische Hürden und Behörden in Deutschland sind häufig eher Zeitfresser, als dass sie uns voranbringen. 

Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Mithilfe der Cardisiographie lässt sich eine Minderdurchblutung des Herzens nicht-invasiv und innerhalb kürzester Zeit erkennen.
Mithilfe der Cardisiographie lässt sich eine Minderdurchblutung des Herzens nicht-invasiv und innerhalb kürzester Zeit erkennen.
© Cardisio

In fünf Jahren ist die Cardisiographie weltweit zur Standardmethode für ein flächendeckendes Screening von Herzkrankheiten geworden. Sie verhindert bei vielen Menschen die Entstehung schwerer Herzerkrankungen bis hin zu einem Herzinfarkt mit eventueller Todesfolge und spart den Gesundheitssystemen große Kosten.

Wie sieht die Medizin der Zukunft aus?

In naher Zukunft kann jeder die Gesundheit seines Herzens zuhause, in Echtzeit und nach Bedarf überwachen – mithilfe von Smart Devices, deren Informationen nahtlos durch kompetente Praxen, welche die Cardisiographie-Methode einsetzen, ausgewertet werden können.

Fakten zum Start-up

Name Cardisio
Gründung 2016
MitarbeiterInnen 36
Anzahl KundInnen 350 weltweit
Finanzierung letzte Finanzierungsrunde April 2021 durch Privatinvestoren
Homepage cardis.io

Anmerkung: Dieser Artikel erschien zuerst in der Printausgabe 4/2021 der medical design. Hier geht's zum kostenfreien ePaper.


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